Surfen mit mobilen Endgeräten: So reagieren Nutzer auf Websites, die dafür noch nicht optimiert sind

Im Zuge der raschen Verbreitung internetfähiger Handys müssen sich zunehmend mehr Website-Betreiber die Frage stellen, wie gut ihre Website über so genannte Smartphones bedienbar sind. Die Desktop-Version ist auf kleinen Bildschirmen mit Touch-Bedienung meist sehr viel schwieriger zu händeln. Um die Nutzer nicht zu verärgern, stellt sich daher für immer mehr Website-Betreiber die Frage, ob sich eine für den mobilen Kontext optimierte Website lohnt. Die Antwort ist jedoch von verschiedenen Faktoren abhängig und nicht pauschal zu geben.
eResult ist in diesem Zusammenhang zunächst der Frage nachgegangen, wie Nutzer heute reagieren, wenn sich ihnen im mobilen Kontext eine dafür nicht optimierte Seite präsentiert. Die Ergebnisse im Überblick:

  • Insgesamt reagiert jeder Vierte Internetnutzer mit dem Schließen der Seite.
  • Knapp 14% schließen die Seite und rufen sie später am PC wieder auf.
  • Fast 9% schließen die Seite und suchen nach einer App von dem Anbieter.
  • 2,5% sind enttäuscht und nutzen die Seite nie wieder.

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Auszug aus dem eResult Omnibus 06/2012: Jeder Vierte Internetnutzer schließt eine Website, die nicht für den mobilen Zugriff optimiert ist. [Bild vergrößern]


Interessant ist, dass jeder zweite Nutzer (noch) so nachsichtig ist, die Website durch Vergrößern der Darstellung trotzdem zu nutzen. Da eine Nutzung „unterwegs“ jedoch durch äußere Einflüsse (z. B. schlechter Empfang, unruhige Haltung, helles Licht) erschwert werden kann und die Geduld entsprechend sinkt, ist es um so wichtiger, dass der Nutzer schnell ans Ziel kommt. Dies zeigt einmal mehr die Bedeutung einer guten Suchfunktion sowie eine sinnvolle Navigationsstruktur.
Erfahrene Nutzer verwenden den Zoom, unerfahrene und weibliche Nutzer haben weniger Geduld und schließen die Seite zunächst.

Die Zielgruppenanalysen zeigten, dass nicht alle Nutzer die gleichen Strategien haben, mit nicht-optimierten Websites umzugehen. Wer zum Beispiel nur alle ein bis zwei Wochen mit einem Smartphone online ist, schließt die Seite schneller und wartet, bis ein PC zur Verfügung steht. Erfahrene Smartphone-Nutzer kämpfen sich häufiger mittels Vergrößerung (Zoomen) durch die Website. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede zeigten sich: Frauen haben tendenziell weniger Geduld am kleinen Bildschirm und rufen die Website dann lieber am PC auf. Männer suchen eher nach einer entsprechenden App. Knapp 3% der männlichen Smartphone-Nutzer gaben zudem an, bei einer nicht optimierten Website enttäuscht zu sein und die Seite nicht wieder zu nutzen.

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Ergebnisse differenziert nach Alter: Jüngere Nutzer geben nicht so schnell auf - Befragte ab 50 Jahren warten häufig, bis ein PC zur Verfügung steht. [Bild vergrößern]


Die Altersunterschiede zeigen ebenfalls verschiedene Reaktionen auf Websites, die nicht für den mobilen Zugriff optimiert sind. Vor allem ältere Smartphone-Nutzer schließen die Seite und rufen komfortablere Anwendungen auf (Desktop-Version am PC oder App).

Mobile Usability ist Trumpf

Die Ergebnisse zeigen, dass bereits heute viel Traffic verloren geht, wenn eine Website nicht auf den mobilen Zugriff angepasst ist. Jeder Vierte Nutzer ist erst einmal verschwunden. Ob ein geplanter späterer Zugriff tatsächlich umgesetzt wird, ist fragwürdig. Bis zu 3% der Nutzer gehen sogar für immer verloren: Hier ist die Erwartungshaltung schon so hoch, dass das Nicht-Vorhandensein einer mobilen Website zu Enttäuschung führt.
Tendenziell gehen zudem ältere, weibliche und unerfahrene Nutzer verloren. Wenn diese zu den wichtigen Zielgruppen gehören, sollte die Website auch auf kleinen Touchpad-Oberflächen gut bedienbar sein. Doch es müssen längst nicht alle Inhalte verfügbar sein. Häufig sind für den mobilen Zugriff einer Website nur wenige Funktionen wirklich wichtig. Welche das genau sind und was Nutzer sonst noch von der mobilen Website erwarten, kann durch Zielgruppenbefragungen (z. B. Anforderungsanalyse) in Erfahrung gebracht werden. Zur Überprüfung und Verbesserung der User Experience sind darüber hinaus auch im mobilen Kontext Prototypen-Tests möglich.

Zur Methode

Insgesamt wurden in der genannten Studie 360 Internetnutzer befragt, die zumindest gelegentlich mit einem internetfähigen Handy Inhalte aus dem Web aufrufen. Die Erhebung fand im Rahmen des eResult Omnibus statt, einer monatlichen Mehrthemenbefragung unter deutschen Internetnutzern (Juni 2012).

 

Sie wollen den Forschungsbeitrag zitieren? Gerne können Sie folgende Quellenangabe nutzen:

Ludewig, Elske (2012): Surfen mit mobilen Endgeräten: So reagieren Nutzer auf Websites, die dafür noch nicht optimiert sind, In: Forschungsbeiträge der eResult GmbH, URL: www.eresult.de/ux-wissen/forschungsbeitraege/einzelansicht/news/surfen-mit-mobilen-endgeraeten-so-reagieren-nutzer-auf-websites-die-dafuer-noch-nicht-optimiert-si/

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