Wenn der Second Screen zum First Screen wird: Diese Inhalte lenken Smartphone-Nutzer besonders stark vom Fernsehen ab

Parallel zum TV auf dem Smartphone Nachrichten schreiben oder mit dem Tablet im Internet surfen – für viele Konsumenten heute alltäglich. Doch was genau tun sie dort und warum ist das mobile Gerät immer dabei, obwohl der Fernseher doch genug Unterhaltung bieten sollte? Lenkt das zweite Device nicht eher ab? Oder kann es eine sinnvolle Ergänzung zum TV-Programm sein?

Diesen und weiteren Fragen geht die eResult GmbH in ihrem aktuellen Forschungsvorhaben zum Thema „Second Screen“ nach. In einer Art virtuellen Fokusgruppe, dem „Digital Living“ Zielgruppenblog, wird das Thema umfassend diskutiert und beleuchtet. So wurde beispielsweise analysiert, welche Themen parallel zu den Fußballspielen der WM auf dem Smartphone abgerufen wurden oder welche Apps eine besonders sinnvolle Ergänzung zum TV-Programm darstellen.

Jüngst beobachteten sich die Teilnehmer selbst beim Fernsehen und berichteten von Second-Screen-Anwendungen, die sie so stark vom TV ablenken, dass sie letzterem kaum noch folgen können.

Nachrichten aus aller Welt – und von Freunden: Das Fernsehen spielt die zweite Geige

Es stellte sich heraus, dass die Nutzer während des Fernsehens sehr oft auf Push-Nachrichten von Email-Programmen, Messengern, Sozialen Netzwerken oder Nachrichten-Apps reagieren. Wenn eine Nachricht per Whatsapp oder Facebook auf dem Handy erscheint, kann kaum jemand umhin sie zu lesen. Dann lenkt die Kommunikation über das Smartphone meist so stark vom TV ab, dass einige Minuten der Sendung verpasst werden.
Eine Teilnehmerin schreibt: „…aber wenn ich während des Schauens eine Whatsapp-Nachricht erhalte, muss ich immer sofort schauen, wer es ist. :-) Da warte ich nie bis zur Werbepause.“
Ein anderer gibt zu: „Die größte Ablenkung beim Fernsehen ist die App von Facebook. Sobald eine Nachricht eintrifft, schon habe ich das Handy in der Hand um zu schauen was los ist. Da kann man schon mal die ein oder andere Sendeminute verpassen. Ebenso nutze ich Wikipedia und habe ich mich dort festgelesen, dann Fernsehen ade.“

Nur sehr wenige haben bereits darauf reagiert und meinen das Handy auszuschalten, wenn sie bspw. einen Krimi sehen. Die meisten Nutzer folgen dann einfach der Neugier und schauen nach, was in der Welt passiert, sobald das Handy sich meldet.
Aktiv greifen sie eher dann zum zweiten Screen, wenn das Fernsehprogramm gerade etwas langweilig wird oder eine Werbepause läuft. Online-Shops oder Spiele können in dieser Zeit jedoch so sehr fesseln, dass das Fernsehen fast vergessen wird.


Abb. 1: Die häufigsten Tätigkeiten auf dem mobilen Endgerät während des Fernsehens.

Sollte das Fernsehprogramm aktiv auf andere Medien hinweisen?

Bisher sind sie wenig zu sehen, aber ein gewisses Potenzial lässt sich ihnen nicht absprechen: Hinweise auf ergänzende Apps oder Websites im TV, die den Nutzer aktiv dazu auffordern, sein Smartphone oder Tablet zu nutzen. Unserer Studie zufolge stehen die Nutzer dem noch differenziert gegenüber: Einige haben solche Hinweise (z.B. Shazam) noch gar nicht bemerkt, andere finden sie nur in einigen wenigen Fällen sinnvoll. Insgesamt muss hier wohl zwischen einer Unterhaltungssendung (z.B. Quizshow) und einem Spielfilm o.ä. unterschieden werden. Unterhaltungssendungen brauchen sich kaum davor zu scheuen, Second Screen-Angebote einzublenden. Sie sind auch meist so gestaltet, dass eine kurzzeitige Ablenkung nicht nachteilig ist, um die Show weiterzuverfolgen.
Frustration stellt sich jedoch ein, wenn das Angebot, auf das verwiesen wird, auf dem mobilen Gerät schlecht bedienbar ist. Als Beispiel wurden hier Mediatheken genannt. Aber auch die Apps von TV-Sendern bieten noch lange nicht das, was die Nutzer wünschen: Am häufigsten werden Informationen zu Fortsetzungen, Wiederholungen, Darstellern, Drehorten oder anderen Hintergrundinformationen vermisst. Und zwar direkt bei den Detailinformationen zur laufenden Sendung. Diese dürfen keine Sackgasse darstellen, sondern müssen dem Nutzer weiterführende Links anbieten.

Abb. 2: Second Screen-Tätigkeiten mit direktem Bezug zum TV.

Fazit

Die parallele Nutzung von TV und Mobilgerät ist schon fast alltäglich geworden, wenn letzteres vorhanden ist. Am häufigsten greifen die Fernsehzuschauer zum Smartphone oder Tablet, um mit anderen Menschen zu kommunizieren. Aktive Meldungen des Geräts werden fast nie ignoriert. Daneben spielt die aktive Suche nach Hintergrundinformationen über Suchmaschinen oder passende Apps zur Ablenkung vom TV. Werbepausen werden besonders häufig genutzt bzw. überbrückt, in dem das Mobilgerät gezückt wird.

Grundsätzlich kann jeglicher Hinweis auf weiterführende Online-Angebote dazu führen, dass das Smartphone gezückt wird. Sind diese dann nicht für mobile Endgeräte oder Touchscreens optimiert, ist der Nutzer enttäuscht. Das Fernsehen ist viel näher an mobilen Geräten, als am Notebook oder PC. Daher ist der „mobil first“-Gedanke bei Second Screen-Angebot ein Muss.

 

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