Design im Wandel: Trends aus fünf Jahren Webdesign

Beim Rückblick auf die Entwicklung von Websites lässt sich vieles entdecken: z.B., wie sich Elemente, Gestaltung und Seitenaufteilung im Laufe der Zeit verändert haben und wie schnell ein Design veraltet wirken kann. Vor allem aber können durch den Rückblick aktuelle Trends im Webdesign identifiziert werden.

Um diesen Rückblick zu ermöglichen, dokumentiert eResult bereits seit 2007 die Entwicklung des Webdesigns von 50 verschiedenen Branchen. Die gesammelten Screenshots werden regelmäßig ausgewertet und auf interessante Entwicklungen untersucht.

Bei der Auswertung der Screenshots verschiedener Startseiten fallen sechs branchenübergreifende Trends besonders auf:

  1. Die Seiten werden breiter und passen sich so an eine größere Bildschirmauflösung an.
  2. Die Seiten wirken strukturierter und optisch harmonischer. Gleichzeitig wird der Aufbau der Seiten verschiedener Anbieter immer ähnlicher. Besonders gut ist die Angleichung innerhalb einer Branche erkennbar. Aber auch branchenübergreifend haben einige Elemente inzwischen ihren festen Platz. Beispielweise findet sich das Logo fast immer im oberen linken und die Suchfunktion im oberen mittleren bis rechten Bereich.
  3. Inhaltlich und hinsichtlich der Anordnung und Gestaltung der Elemente wirken die Seiten immer fokussierter auf die Bedürfnisse der jeweiligen Nutzer. Suchmasken beispielweise rücken stärker in den Mittelpunkt, wo sie das wichtigste Seitenelement sind. Auf Websites von Flughäfen z.B. stehen dagegen die Übersicht über abgewickelte Flüge sowie Anreise- und Parkmöglichkeiten inzwischen eindeutig im Vordergrund – sicherlich ein wesentliches Interesse beim Besuch einer Flughafenwebsite.

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Website des Frankfurter Flughafens
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Website von RWE [Bild vergrößern]

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Website der Automobilmarke Ford
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All diese Trends sprechen für mehr Expertise und Erfahrung bei den Verantwortlichen. Schließlich erfordert eine gelungene Auswahl der Elemente und deren Strukturierung, dass die Erwartungen der Nutzer bekannt sind durch Marktforschungsprojekte oder durch das Zurückgreifen auf allgemeine Studien wie z.B. die Imagery-Studie .

Neben den bereits genannten sind noch weitere branchenübergreifende Designtrends erkennbar:

4. Der Hintergrund der Seiten wird immer heller. Viele arbeiten inzwischen mit weißen oder fast weißen Grundfarben. Farbig abgesetzte Flächen wurden im Laufe der Jahre immer mehr durch dezente Farbverläufe ersetzt.

5. Im Gegenzug zu den dezenteren Hintergründen werden mehr und mehr großflächige Bilder eingesetzt. Diese Bilder transportieren häufiger als früher konkrete Inhalte oder Emotionen. Um mehrere großflächige Bilder auf einer Seite unterzubringen, geht der Trend zudem zum Einsatz von Flash-Bühnen.

6. Der Textumfang auf den Startseiten nimmt tendenziell ab. Unterstützt wird diese Entwicklung häufig durch den Einsatz von Icons, die einzelne Wahlmöglichkeiten und Zugänge visualisieren.

All diese Trends finden sich auf sehr vielen Websites wieder. Aber wie immer gibt es auch bezüglich dieser Trends Ausnahmen von den Regeln. So gibt es durchaus Branchen, in denen vermehrt dunkle, kräftige Farben eingesetzt werden.

Häufig sind auf den so geprägten Seiten außerdem unkonventionelle Anordnungen von Elementen zu sehen. Beispielsweise findet man dort die Navigation unten oder das Logo mittig auf der Seite. Insgesamt wirken diese Seiten verspielter und entsprechen weniger den Erwartungen der Nutzer.

Solche Abweichungen von allgemeinen Trends finden sich vor allem dann, wenn in erster Linie ein experimentierfreudiges, innovatives Image vermittelt werden soll. Die gezielte Informationsvermittlung steht bei diesen Seiten dagegen eher nicht im Mittelpunkt. Gerade die Abweichung von der Norm unterstützt die gewünschte Intention der Seitenbetreiber, aus der Masse hervorzustechen.

Diese Beispiele machen deutlich, dass es nicht immer der richtige Weg sein muss, sich an Standards anzupassen. Neue Ideen und Konzepte auszuprobieren und damit ein kreatives Design zu erschaffen, kann durchaus die bessere Wahl sein.

Entscheidend ist, dass zu Beginn der Konzeptionsphase festgelegt wird, was mit der Website in erster Linie erreicht werden soll. Wenn klar ist, ob Informationsvermittlung oder Image im Vordergrund stehen, kann auch eine Entscheidung für oder gegen Konventionen im Webdesign getroffen werden. Modern und zeitgemäß kann beides wirken.

 

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