Mobile Payment in Deutschland: Wie offen sind deutsche Smartphone-Nutzer gegenüber mobiler Bezahlverfahren?

Trotz einiger Vorteile mobiler Bezahlverfahren wie zum Beispiel einem schnelleren Bezahlvorgang an der Kasse, ist bislang die flächendeckende Verbreitung von mobilen Bezahlverfahren in Deutschland ausgeblieben. Während sich Mobile Payment in anderen Ländern wie den USA bereits erfolgreich durgesetzt hat, scheinen die Deutschen der Bezahlmethode eher skeptisch gegenüber zu stehen. Wir haben uns dem Thema angenommen und in einer Online-Umfrage untersucht, welche Einstellungen deutsche Smartphone-Nutzer zum Thema Mobile Payment haben.

Mobile Payment ist zurzeit ein großes Thema. Viele Einzelhändler haben sich dem Thema angenommen und bieten mittlerweile mobile Bezahlverfahren an. Während sich Mobile Payment in anderen Ländern bereits erfolgreich etabliert haben, läuft die Verbreitung in Deutschland weiterhin eher schleppend an. Apple Pay ist zum Beispiel bereits letztes Jahr erfolgreich in den USA angelaufen und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Und auch in einigen afrikanischen Ländern wie Kenia sind mobile Bezahlverfahren weit verbreitet. Doch in Deutschland sind wir von einer großflächigen Akzeptanz mobiler Bezahlverfahren noch weit entfernt. Laut Heise online zeigt eine Studie der Marktforschungsfirma Nordlight, dass aktuell in Deutschland nur etwa 2% der Nutzer mobile Payment-Apps verwenden und dies hauptsächlich um kleinere Geldbeträge zu zahlen. In einer repräsentativen Umfrage von TNS Emnid zeigte sich, dass sich nur etwa 23% der Deutschen für Mobile Payment interessiert und etwa die Hälfte das Bezahlverfahren ablehnt. Das beliebteste Zahlungsmittel der Deutschen bleibt weiterhin das Bargeld, fast zwei Drittel bezahlt am liebsten bar. Desweiteren bleibt die Anzahl der Akzeptanzstellen auch eher überschaubar. Dies sind nur einige der Gründe warum sich Mobile Payment bisher nicht in Deutschland durchsetzen konnte. Viele Experten setzen allerdings weiterhin ihre Hoffnungen darauf, dass Apple Pay und Android Pay dem Mobile Payment auch in Deutschland zum Durchbruch verhelfen könnten.

Anwendungsbereiche des Mobile Payment

Auch wenn das Mobile Payment bisher nicht zu den Standardbezahlverfahren zählt und noch eher selten in Anspruch genommen wird, die Anwendungsgebiete sind jedenfalls vielfältig. Im stationären Handel ist es in einigen Kaufhäusern bereits möglich am Point of Sale per Handy zu bezahlen. Für Dienstleister wie Taxifahrer ist  Mobile Payment auch durchaus interessant, in einigen Städten können Taxifahrer bereits mit der paij-App bezahlt werden. Ein weiteres Einsatzgebiet für Mobile Payment ist das so genannte „Handyparken“. Hierbei können in einigen Städten Fahrscheine oder Parktickets mobil per SMS bezahlt werden. Einige Anbieter haben Anwendungen für das Person-to-Person Mobile Payment entwickelt. Mit Hilfe dieser Apps können Nutzer kleinere Geldbeträge an Freunde und Bekannte überweisen. Die Person wird dabei aus der Kontaktliste im Telefon per Mobilfunknummer ausgewählt und die Transaktion per SMS durchgeführt.

Landschaft an Mobile Payment-Lösungen noch unübersichtlich

Es gibt eine Vielzahl an Anbietern, darunter einige große Namen wie zum Beispiel die Telekom mit einer Wallet-Lösung, aber auch einige kleinere Anbieter mit Insel-Lösungen die nur in bestimmten Shops angeboten werden. Die unterschiedlichen Anbieter setzen auch auf verschiedene Mobile Payment Verfahren. Zum einen gibt es Software-Lösungen für die der Nutzer eine App benötigt und dann zum Beispiel mittels Scannen eines QR-Codes oder Senden einer SMS bezahlt. Zum anderen wurden Hardware-Lösungen wie das Near-Field-Communication (NFC) entwickelt. Das System kann in Endgeräte implementiert werden, die dann beim Bezahlvorgang an eine Bezahlstation gehalten werden und die Informationen zum Bezahlvorganz über kurze Distanz übertragen werden.

Einige Mobile Payment Lösungen sind noch nicht in Deutschland verfügbar. Hierzu zählt auch das bereits letztes Jahr erfolgreich in den USA angelaufene Apple Pay. Es folgt eine kurze Übersicht einiger aktuell in Deutschland verfügbaren Services ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

NFC- Verfahren:

  • Mpass von o2, Telekom und Vodafone
  • MyWallet von der Telekom
  • Targobank Bezahlchip

QR-Code Verfahren:

  • Yapital (eine Otto-Tochter)
  • Es gibt noch eine Vielzahl weiterer QR-Code basierter Bezahlsysteme wie GO4Q, kesh, paij oder PayCash. Diese Anbieter haben aber bislang nur wenige Akzeptanzstellen und eine geringe Anzahl an lokalen Partnern.

Mobile Payment-Apps:

  • Die Paypal App und QR-Shopping App ist derzeit nur als Pilotprojekt in einigen Restaurants und Cafés in Deutschland verfügbar.
  • Das Startup Opentabs hat eine Kooperation mit Burger King in Deutschland. Über die Opentabs-App kann von unterwegs mobil bestellt und im Voraus bezahlt werden. Bisher ist der Service allerdings nur örtlich begrenzt verfügbar.

Person-to-Person Payment Apps:

  • Das Startup Avuba hat ein mobiles Girokonto entwickelt, dass mittels einer App genutzt wird. Mit der App kann mobil bezahlt und Geld an andere Personen gesendet werden. Derzeit ist mit der App allerdings nur Person-to-Person Payment möglich.
  • Die Startups Cringle und Payfriendz bieten Apps für das Person-to-Person Payment an. Allerdings müssen derzeit noch beide Parteien App-Nutzer sein.

Auch mobile-zeitgeist.com unternahm kürzlich den Versuch einer Kategorisierung und Sammlung von Mobile Payment-Lösungen:

Abb. 1: Mobile Payment Anbieter in Deutschland; Quelle: mobile-zeitgeist.com

Studienergebnisse: Mobile Verfahren noch unbekannt

Wir bei eResult haben uns gefragt worin nun genau die Gründe für die geringe Nutzung von mobilen Bezahlverfahren liegen. Sind es in erster Linie Sicherheitsbedenken der Nutzer? Oder sind die Bezahlverfahren der breiten Masse der Nutzer einfach nicht bekannt? Aus diesem Grund haben wir eine Online-Umfrage mit 500 deutschen Smartphone-Nutzern durchgeführt.

Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass beim Einkauf im Geschäft Bargeld weiterhin eindeutig das beliebteste Zahlungsmittel bleibt. Von den Befragten gaben 74,8% an, regelmäßig bar zu zahlen. Die EC-Karte liegt mit knapp 50% an zweiter Stelle. Dieses Ergebnis deckt sich mit denen einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands Bitkom.

Im Gegensatz zu Bargeld und EC-Karte werden mobile Bezahlverfahren weiterhin eher selten verwendet, nur etwa 3% der Befragten gaben an regelmäßig in Geschäften mobil zu bezahlen. Auch diese Ergebnisse decken sich mit denen der Umfrage von Bitkom. Ein Grund für die geringe Nutzung sind vermutlich Sicherheitsbedenken unter den Nutzern. Diese wurden von den Befragten in unserer Studie als der größte Nachteil in Bezug auf des Mobile Payment angegeben.

Die Ergebnisse unserer Studie zeigen weiterhin, dass fast der Hälfte der Befragten viele der Mobile Payment Lösungen nicht bekannt sind. Das Person-to-person Mobile Payment ist dabei das bekannteste und am häufigsten genutzte mobile Bezahlverfahren.

Kenntnisse von Mobile Payment Lösungen

Abb.2: Kenntnisse von Mobile Payment Lösungen; N=500, Angaben in%

Unsere Studie ergab außerdem, dass unter den Befragten prinzipiell ein Interesse daran besteht, Mobile Payment zukünftig zu nutzen. Fast ein Drittel gab an, das sie sich vorstellen könnten zukünftig in Geschäften mobil mit dem Smartphone zu bezahlen. Allerdings lehnt fast über die Hälfte Mobile Payment weiterhin ab. In Betracht der Ergebnisse der oben erwähnten repräsentative Umfrage von TNS Emnid, die zu dem Ergebnis kam, dass sich etwa 23% der Deutschen für Mobile Payment interessieren, deuten unsere Ergebnisse auf einen Anstieg des Interesses an mobilen Bezahlverfahren hin.

Interesse Mobile Payment zukünftig zu nutzen

Abb. 3: Interesse an Mobile Payment; N=500, Angaben in %

Zusammenfassung

Die Ergebnisse unserer Studie haben gezeigt, dass auf der einen Seite zwar unter deutschen Smartphone-Nutzern durchaus ein Interesse an mobilen Bezahlverfahren besteht, es aber auf der anderen Seite für Anbieter von Mobile Payment Lösungen noch viel zu tun gibt um die flächendeckende Verbreitung voranzutreiben. Zum einen wird es wichtig sein, auf die Sicherheitsbedenken der Nutzer einzugehen und diese zu reduzieren. Des Weiteren muss die Bekanntheit der Verfahren weiter gesteigert werden. Auch die Informationslandschaft muss deutlich übersichtlicher werden. Die Nutzer müssen schnell und einfach an Informationen kommen wo und wie sie bestimmte Mobile Payment Lösungen einsetzen können.

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Schwier, Isabel (2015): Mobile Payment in Deutschland: Wie offen sind deutsche Smartphone-Nutzer gegenüber mobiler Bezahlverfahren? In: Forschungsbeiträge der eResult GmbH, URL:http://www.eresult.de/aktuelles/detail-ansicht/news/mobile-payment-in-deutschland-wie-offen-sind-deutsche-smartphone-nutzer-gegenueber-mobiler-bezahlve/

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