Nutzertagebücher liefern ganz neue Einsichten in die Welt der Verbraucher

Technik- und Methodenvielfalt bei Tagebuchstudien im nutzerzentrierten Designprozess

Labtests sind gut geeignet, um vorhandene Usabilityprobleme einer Software, Website oder eines Geräts aufzudecken. Mit Befragungen findet man heraus, wie ein Produkt beim Kunden ankommt und was seine Anforderungen an und Vorstellungen von einem Produkt sind.

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Eine sinnvolle Ergänzung beider Methoden bietet ein so genanntes Nutzertagebuch. Mit diesem kann man, anders als bei den genannten Methoden ein Nutzungsverhalten über einen längeren Zeitraum erfassen.

Vom verwandten Kunden- und Zielgruppenblog grenzt sich die Tagebuchmethode insofern ab, als dass die Studienteilnehmer lediglich ihr eigenes Verhalten und Empfinden dokumentieren, eine Beeinflussung oder Diskussion verschiedener Studienteilnehmer untereinander findet nicht statt.

Die selbständige Aufzeichnungvon Daten ist eine Herausforderung, aber zugleich die große Stärke dieser Methode: Geschehnisse und Eindrücke können von den Studienteilnehmern unmittelbar nach dem Eintreten dokumentiert werden, ohne dass Erinnerungseffekte die Wahrnehmung verzerren. Zugleich können Beobachtungen über eine gewisse Zeitspanne erfolgen und auch im privaten Bereich stattfinden. Beides bleibt dem Studienleiter im Usabilitylab verborgen.

Die Einsatzbereiche sind vielfältig. Erkenntnisgewinn über Zielgruppen, aber auch über die Verwendung bestimmter Produkte oder die Verknüpfung verschiedener Medien können Ziele von Nutzertagebuchstudien sein.

Wie läuft eine Studie unter Einsatz der Tagebuchmethode ab?

Zahlreiche Techniken können bei der Datensammlung zum Einsatz kommen.

  • Die klassische Möglichkeit ist das Führen eines Papiertagebuchs. Um den Studienteilnehmern die Eintragungen zu erleichtern, kann dieses bereits mit einem Dokumentationsraster ausgestattet sein, welches Elemente eines Fragebogens enthält.
  • Genauso einsetzbar sind jedoch mobile Geräte wie PDAs oder Handys. Diese können mit einer Befragungssoftware ausgestattet werden, oder Fragen werden durch den Versuchsleiter regelmäßig per SMS übermittelt. Diverse Ergänzungen sind durch den Einsatz dieser Geräte möglich, beispielsweise die Erfassung von Bild- oder Tondokumenten.
  • Eine dritte Möglichkeit ist eine Datenabfrage in Form von kurzen Onlinefragebögen. Dabei bekommen die Studienteilnehmer regelmäßig einen Fragebogen geschickt oder greifen eigenständig darauf zu.
  • Und schließlich lassen sich auch Messengersysteme wie beispielsweise Skype nutzen, um Fragen zu übermitteln und Studiendaten zu sammeln.

Ebenso vielfältig wie die zur Dokumentation eingesetzten Techniken sind die Untersuchungsmethoden, die anwendbar sind. Je nachdem, was man von den Teilnehmern der Studie erfahren möchte bieten sich folgende Methoden an:

  • Mit einem standardisierten Fragebogen lassen sich genau definierte Eindrücke und Ereignisse dokumentieren.
  • Eine freie Eingabemöglichkeit bietet den Vorteil, dass auch Daten erfasst werden, die über eine gezielte Fragestellung hinausgehen, aber dennoch wertvolle Erkenntnisse liefern können.
  • Dokumentationen durch Bilder oder kurze Videos liefern ein umfassendes Bild von der Situation des Teilnehmers zur Zeit der Datenerfassung.

Oftmals bietet sich auch eine Kombination dieser verschiedenen Methoden an, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.

Noch ein weiterer Punkt, der in der Studienkonzeption zu berücksichtigen ist, ist die Frage nach dem Zeitpunkt der Datenerfassung. Denkbar sind hier folgende Möglichkeiten:

  • Die Teilnehmer dokumentieren ihr Verhalten oder Empfinden in regelmäßigen, vorgegebenen Zeitabständen, beispielsweise einmal am Tag oder alle zwei Stunden.
  • Eine Dokumentation erfolgt immer dann, wenn eine Beschäftigung mit dem Untersuchungsgegenstand bzw. mit der Thematik der Untersuchung erfolgt ist.
  • Die Teilnehmer werden in einem unregelmäßigen Rhythmus an die Teilnahme und die Dokumentation erinnert. Diese Variante, die Vorteile besonders bei der Erfassung spontaner Empfindungen und Gefühle bietet wird auch als „Experience Sampling Method“ bezeichnet.

Eine regelmäßige Erinnerung an die Teilnahme erhöht jedoch in jedem Fall die Wahrscheinlichkeit einer kontinuierlichen Datenerfassung und verstärkt die Motivation der Teilnehmer, wenn sie mit einem kurzen Feedback oder einer besonderen Frage verknüpft werden.

Fazit:

Alles in allem vereint das Nutzertagebuch ein vielfältiges Set an Techniken und Methoden, um die Bedürfnisse und Wünsche von Kunden und Verbrauchern deutlich besser kennen zu lernen.

Die daraus gewonnenen Daten liefern Erkenntnisse, die sehr wertvoll bei der nutzergerechten Gestaltung und Optimierung von Produkten sind und die in dieser Form keine andere Methode liefern kann.

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