eResult Usability-Contest 2006

Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen eResult hat es sich zur Aufgabe gemacht, den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Usability-Forschung aktiv zu fördern. In diesem Kontext wird alle zwei Jahre der mit 4.000 € dotierte eResult Usability-Contest ausgeschrieben. Die für 2006 eingereichten Arbeiten deckten auch diesmal ein breites Spektrum an Themen aus dem Bereich der Usability-Forschung ab.

Dazu zählten unter anderem Arbeiten aus den Bereichen:

  • zielgruppenspezifische Aspekte (z. B. Anforderungen von Senioren, Kindern)
  • methodische Fragestellungen (z. B. Card-Sorting, physiologische Messungen, Eyetracking)
  • Usability von speziellen Anwendungen (z. B. Navigationssysteme, 3D-Shops, E-Learning)

Ganz vorn dabei: Arbeiten von ehemaligen Studenten der TU Ilmenau ( Platz 1 : Johanna Elster und Platz 2: Timo Freitag). Platz 3 belegte Ulrike Streich von der Universität Köln.

eResult Usability-Contest 2006 Bild 1

Die Preisverleihung fand am 14.11.2006 auf dem World Usability Day in Hamburg statt. Für Thorsten Wilhelm Geschäftsführer der eResult GmbH war es eine große Freude, einer glücklichen Johanna Elster (siehe Foto) den ersten Preis zu überreichen. Die Diplomarbeit wurde am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft (Prof. Döring) - in Kooperation mit Premiere Fernsehen - geschrieben.

In ihrer Arbeit „Usability Engineering beim digitalen Fernsehen am Beispiel eines elektronischen Programmführers“ nimmt Frau Johanna Elster die Usability von elektronischen Programmführer (EPGs = electronic programme guides) „genauer unter die Lupe“. Für den theoretischen Rahmen der Arbeit wird die Handlungsregulationstheorie herangezogen, indem Handlungen und Handlungsfehler bei der Benutzung interpretiert werden. Im empirischen Teil wurden zunächst die Nutzeranforderungen in acht Fokusgruppen mit insgesamt 40 Teilnehmern (!) erhoben. Anschließend wurde in einem vergleichenden Usability-Test mit 12 Nutzern geprüft, inwieweit diese Anforderungen bei zwei exemplarischen EPG-Modellen bereits erfüllt werden. Da beide Darstellungsweisen verschiedene Nutzertypen ansprechen, wird aufgezeigt, welche Variante abhängig vom jeweiligen Geschäftsmodell benutzerfreundlicher ist. Wie so oft: Beide Konzepte weisen unterschiedliche Stärken und Schwächen auf."

Timo Freitag belegt mit seiner Arbeit „Untersuchung der Anwendbarkeit und des Mehrwerts physiologischer Messungen für die Usability-Evaluation im Rahmen des DATech Prüfverfahrens“ den zweiten Platz. Physiologische Reaktionen werden in den Sozialwissenschaften als Indikatoren für stresserzeugende Situationen verwendet und sind somit auch für die Evaluation der Usability von Softwareprodukten interessant. Mit speziell präparierten E-Commerce Anwendungen hat Herr Freitag untersucht, ob sich die Messung des Hautleitwerts (EDA) dazu eignet, Rückschlüsse auf Verstöße gegen die Dialogprinzipien der ISO Norm 9241 zu ziehen. Die Ergebnisse zeigen, dass Ausschläge in den Messkurven durchaus einen Zusammenhang zwischen Usability-Problemen und physiologischen Reaktionen erkennen lassen. Weitere Studien und Verbesserungen bezüglich der Auswertungssoftware sind hier nötig, um noch konkretere Aussagen über die Anwendbarkeit von physiologischen Messungen machen zu können.

Frau Ulrike Streich beleuchtet in ihrer Magisterarbeit „Altersgruppen-spezifische Probleme beim Usability Design von Webdiensten“ und wurde dafür mit dem 3. Platz ausgezeichnet. Alter ist neben Bildung, Geschlecht und Einkommen immer noch ein entscheidender Faktor, der die Partizipation an den neuen Technologien und somit auch die Internetdichte Europas bestimmt. Im Rahmen der Arbeit wird untersucht, wie die konkreten Anforderungen und Bedürfnisse älterer Menschen in Hinblick auf eine altersgerechte Schnittstelle zum Internet aussehen.

„Alle eingereichten Arbeiten weisen ein sehr hohes Niveau auf. Ein wirklich erfreuliches Ergebnis. Wir hoffen, dass unser Preis dazu beitragen kann, dass sich noch mehr Nachwuchswissenschaftlerinnen für diesen zukunftsweisenden Forschungsbereich interessieren werden. Auch sind wir über die Vielzahl der Einreichungen sehr froh. Für das Jahr 2009 werden wir den Contest erneut ausschreiben." kommentiert Thorsten Wilhelm, geschäftsführender Gesellschafter der eResult GmbH.