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Nutzerbeobachtung vor Ort (Feldbeobachtung)

Wann ist diese Methode geeignet?

Nutzerbeobachtungen vor Ort sind immer dann ratsam, wenn es eine begründete Annahme gibt, dass sich die Nutzer einer Anwendung zu Hause, am Arbeitsplatz, unterwegs etc. anders verhalten, als in einem Test-/ Usability-Labor.

Dies ist zum Beispiel bei dem Umgang mit Navigationsgeräten, Automaten und Notebooks der Fall, aber auch bei der gemeinsamen Inbetriebnahme einer Waschmaschine. In solchen Fällen sind die Einflüsse aus dem Kontext bzw. Umfeld zentral für die Gestaltung von z. B. graphischen Bedienoberflächen, Schaltern etc..

In einem Usability-Labor kann man solche Einflüsse, z. B. ablenkende Verkehrssituation, Interaktion mit Freunden, Kollegen oder Partnern, nicht im vollen Umfang unter realen Bedienungen herstellen bzw. simulieren. Es ist daher erforderlich, die Nutzer bzw. Anwender in der natürlichen Umgebung zu beobachten und dabei Probleme und Schwächen in der Bedienung zu identifizieren.

Ergänzt wird die reine Beobachtung in der Regel durch eine Befragung bzw. ein eingehendes Interview, bei dem auf Basis der Beobachtung Gründe und Ursachen für die identifizierten Probleme erfragt werden, aber auch Anforderungen an eine „ideale Bedienbarkeit“ der betreffende Anwendung erhoben werden (Contextual Inquiry).

Weitere Einsatzbereiche: Analyse von Usability-Schwächen und Problemen von Mitarbeitern im Umgang mit Software zur Bearbeitung von Geschäftsprozessen und (Kunden-)Anfragen, z. B. Call-Center Systeme, CRM-Tools, Intranets, Office-Anwendungen etc.. In solchen Fällen ist eine Beobachtung durch einen Usability-Consultant im Rahmen einer explorativen Vor-Ort Beobachtung sehr ratsam. Ergänzt durch gezielte Nachfragen, ist es auf diese Weise möglich neben der Problemanalyse auch ein eingehendes Bild von den Funktionen der Anwendung zu erhalten, sowie vom Umgang der Mitarbeiter mit dieser.

Mögliche Fragestellungen:

  • Wie wird die Anwendung im Kontext, natürlichen Umfeld genutzt? Welche Effekte hat das Umfeld und wie kann man auf diese Effekte durch eine entsprechende Gestaltung der Bedienungselemente und graphischen Benutzeroberflächen reagieren bzw. sogar dafür nutzen, um einen Wettbewerbsvorteil für das Geräte bzw. die Anwendung herauszuarbeiten?
  • Welche Einflüsse haben andere Menschen und die Interaktion mit diesen auf den Gebrauch und den Umgang mit der Anwendung?
  • Welche speziellen Anforderungen ergeben sich durch den Kontext / das Umfeld auf die Gestaltung der Anwendung?
  • Welche konkreten Verbesserungspotenziale sind aus Sicht der Nutzer vorhanden? Welche Ideen und Anregungen haben diese an eine Weiterentwicklung bzw. Optimierung der Anwendung (Identifikation von Innovationen)?

Und viele andere mehr…

Im Rahmen eines Kick-Offs legen wir gemeinsam mit Ihnen die zentralen Fragestellungen und Untersuchungsziele fest. Darauf aufbauend entwickeln und konzipieren wir das für Sie geeignete Untersuchungskonzept.

In welcher Projektphase einsetzbar?

  • Umsetzung
    Existieren vollständig funktionstüchtige Prototypen der Anwendung bzw. des Gerätes so ist eine Nutzerbeobachtung vor Ort als sog. Beta-Testphase sehr sinnvoll, um gravierende Nutzungsprobleme vor der endgültigen Produktion zu erkennen und zu beheben.
  • Betrieb
    Nutzerbeobachtungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn die Anwendung bzw. das Gerät schon wiederholt eingesetzt wurde. Daher ist diese Methode vor allem auf die Phase des Betriebs beschränkt. Die gewonnenen Erkenntnisse und tiefen Einblicke liefern jedoch wertvolle Daten und Anregungen zu einer Weiterentwicklung der Anwendung, so dass diese dann in die Phase der Analyse und (Neu-)Konzeption fließend übergehen können.

Wie läuft diese Methode ab?

Bei dieser Methode handelt es sich um eine explorative Methode, d. h. die reine Beobachtung und Problemidentifikation im natürlichen Nutzungsumfeld steht im Vordergrund.

Im Vorfeld stimmen wir mit Ihnen lediglich die zentralen Beobachtungsobjekte und Use Cases ab. Zudem wird die Bildung der Stichprobe gemeinsam festgelegt. In einem Pretest mit 2-3 Personen identifizieren wir anschließend denkbare Kategorien der Beobachtung und stimmen diese mit Ihnen ab. Auf diese Weise kann die Beobachtung zu mindest in Teilen über mehrere Personen standardisiert erfolgen und auch entsprechend ausgewertet werden.

Die Datenerhebung und –analyse ist vergleichbar mit der bei einem Usability-Test im Labor. Auch bei einer Nutzerbeobachtung vor Ort / im Feld können Protokolle lauten Denkens angefertigt werden. Zudem können fokussierte Interviews die reine Beobachtung erweitern. Im Vordergrund steht jedoch die freie, natürliche Nutzung der Anwendung. Die Datenerhebung und -analyse umfasst zudem auch Aspekte, die im Usability-Labor nicht auftreten bzw. keine Beachtung finden (können): Effekte aus dem natürlichen, räumlichen Umfeld (z. B. Anrufe, Verkehrssituation, Lichtverhältnisse etc.), Einfluss anderer Geräte, sowie Interaktionen und Gespräche mit anderen Personen (z. B. Partner, Kollegen etc.).

Um die Daten für Sie anschaulich aufzubereiten, werden die komplette Situation und die teilnehmende Testperson auf Video aufgezeichnet – inkl. den Bedienelementen und dem Display bzw. der graphischen Bedienungsoberfläche. Alle Aufnahmen werden Bild-in-Bild zusammengestellt und für Sie in Form von aussagekräftigen Highlightvideos zusammen geschnitten.

Stärken der Methode:

  • Beobachtung im natürlichen Umfeld
  • Optimierung der Anwendung / Software unter Beachtung von Kontexteffekten
  • Gewinnung zahlreicher Anregungen und Ideen für eine Weiterentwicklung der Anwendung / des Produktes

Wie groß sollte die Stichprobe sein?

Aufgrund des explorativen und qualitativen Charakters dieser Methode sind in der Regel 12-18 Personen ausreichend, 4-5 Personen pro (homogener) Nutzer-/ Zielgruppe.

Wie lange dauert die Durchführung?

Die Projektgesamtdauer liegt bei 4-6 Wochen, beginnend mit der Aufnahme Ihrer Anforderungen und Erwartungen an die Untersuchung bis hin zur Ergebnislieferung und Bereitstellung von konkreten Empfehlungen. Darin enthalten ist die eine Woche umfassende Feldzeit zur Erhebung der Daten.

Welchen Input müssen Sie leisten?

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sehr sinnvoll ist, Ihre Fragestellungen in einem Workshop mit Ihnen gemeinsam zu gewichten bzw. zu konkretisieren. Hierbei können wir auf unsere umfangreiche Projekterfahrung zurückgreifen. Im Rahmen einer expertenbasierten Voranalyse schauen wir uns die Anwendung bzw. das Endgerät selbst intensiv an, zeigen Problem-/ Optimierungsbereiche auf und geben Anregungen für die im Fokus stehenden Untersuchungsgegenstände und Fragestellungen.

Was erhalten Sie von uns?

Bereitgestellte Leistungen im Überblick:

  • Konzeption und Erstellung eines Beobachtungs- und Auswertungskonzeptes
  • Pretest (u. a. zur Identifikation der wesentlichen Beobachtungsobjekte und –kategorien)
  • Interpretativer Chartband mit folgenden Inhalten:
    • Management-Summary
    • Ausführliche Darstellung der Ergebnisse der Beobachtung
    • Highlight-Videos mit den wesentlichen Szenen der Beobachtung und Aussagen der Testpersonen
    • Interpretation der Daten
    • Konkrete Handlungs- bzw. Optimierungsempfehlungen
    • Liste mit innovativen Ideen für Funktionen

Diese Leistungen können im Paket (Full-Service) oder als Einzelleistungen beauftragt werden. Auf Wunsch präsentieren wir die Ergebnisse und Erkenntnisse der Untersuchung im Rahmen eines moderierten Workshops.


Haben Sie noch weitere Fragen? Dann sprechen Sie uns an! Wir beraten Sie gern.

  • Martin Beschnitt
  • +49 40 36166-7981