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Card Sorting: Mit dem richtigen Vorgehen eine für den Nutzer verständliche Informationsstruktur entwickeln

Der Erfolg einer Website hängt – neben vielen weiteren Faktoren – sehr stark auch von einer für die Nutzer verständlichen Informations-/Navigationsstruktur ab. Sind Navigationspunkten nicht trennscharf genug, besteht die Gefahr, dass Nutzer gesuchte Inhalte nicht finden bzw. die Suche danach Frustration verursacht.

Um eine möglichst schlüssige Struktur zu entwickeln sollten daher auch die Nutzer mit einbezogen werden. Die ideale Methode hierfür ist ein Card Sorting.

Ein Card Sorting alleine führt nicht zum Erfolg!

Das Durchführen eines Card Sortings mit Nutzern führt jedoch nicht automatisch zu einer verständlichen Informationsstruktur. Weitere erfolgsrelevante Faktoren sind:

  • Erfahrung im Umgang mit der Methode und
  • die Fähigkeit sich in die Lage der Nutzer versetzen zu können.

Diese beiden Kompetenzen müssen im Projektteam vorhanden sein, damit das Card Sorting zum gewünschten Erfolg führt.

Zudem ist es ratsam möglichst viel über seine Nutzer zu wissen:

  • Wer ist auf der Seite? (Altersstruktur, Geschlecht, …)
  • Was sind die zentralen Use Cases auf der Seite?
  • Welche Ziele verfolgen die Nutzer auf der Seite?

All diese Fragen sollten im Voraus durch eine Nutzerbefragung – z. B. per Onsite-Befragung – geklärt werden. Dieses Wissen ist unerlässlich und hilft bei der Erarbeitung einer schlüssigen Struktur und der Auswahl der richtigen Card Sorting-Art.

Die verschiedenen Card Sorting-Ansätze

An dieser Stelle sollen kurz die drei grundsätzlichen Ansätze vorgestellt werden:

  • Offenes Card Sorting (generativer Ansatz)
    Teilnehmer erstellen bei der Strukturierung aus ihrer Sicht passende Kategorienamen. Das mentale Modell der Teilnehmer wird ersichtlich und zeigt welche Kärtchen aus ihrer Sicht logisch zusammengehören.



    Offenes Card Sorting mit selbst erstellten Kategorien

  • Geschlossenes Card Sorting (evaluierender Ansatz)
    Teilnehmer sortieren die Kärtchen in vorgegebene feste Kategorien ein. Es wird ersichtlich, ob die Inhalte den vorgegebenen Kategorien zugeordnet werden können.



    Geschlossenes Card Sorting mit vorgegeben Kategorien (Kisten). Anschließend werden die einzelnen Kategorien noch im Detail strukturiert

  • Reverses Card Sorting (evaluierender Ansatz)
    Teilnehmer erhalten eine kleine Aufgabe und sollen diese anhand einer bereits vorhandenen Struktur lösen. Teilnehmer zeigen auf, wie sie den jeweiligen Inhalt in die Struktur einsortieren würden. Es wird ersichtlich, ob Inhalt in einer bereits vorhandenen/erarbeiteten Struktur gefunden werden kann.
Eine erstklassige Gegenüberstellung der drei Ansätze und weitere Informationen stellt Jim Ross in seinem Beitrag Comparing User Research Methods for Information Architecture vor.

Card-Sorting – online oder offline

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten ein Card Sorting durchzuführen:

  • offline (Teilnehmer sortieren physische Kärtchen auf einem Tisch)
  • online (Teilnehmer sortieren Kärtchen mit Hilfe eines Online-Tools)


Online Card Sorting
Vorteile
Nachteile
  • ständige, ortsunabhängige Erreichbarkeit (24/7)
  • weniger Aufwand bzgl. Durchführungszeit und Kosten (Incentivierung der Teilnehmer)
  • toolgestützte (live) online Auswertung
  • Keine Möglichkeit Verständnisfragen der Teilnehmer zu klären
  • Keine Erläuterung des mentalen Modells der Teilnehmer durch Kommentare
  • Keine (Verhaltens-)Beobachtung

Die richtige Mischung führt zum Erfolg

Aufgrund der verschiedenen Ansätze und Erhebungsverfahren (online vs. offline) wird schnell deutlich, dass es nicht den einen richtigen Weg zur verständlichen Informationsstruktur gibt.

Beispiel 1:
Ein reines online Card Sorting liefert zwar in kurzer Zeit viele Daten. Es findet jedoch keine direkte Interaktion/Kommunikation mit den Teilnehmern statt, wodurch wichtige Informationen bzgl. des mentalen Modells und der Entscheidungsfindung bei der Einsortierung nicht erfasst werden können.

Beispiel 2:
Ein reines offline Card Sorting ermöglicht eine Beobachtung und Interaktion mit den Teilnehmern. Allerdings können – aus Zeit- und Kostengründen – nicht annähernd so viele Erhebungen durchgeführt werden wie in der gleichen Zeit online.

Dies bedeutet aber nicht, dass ein nur online oder offline durchgeführtes Card Sorting nicht auch zum Erfolg führen kann. Abhängig vom Projekt ist zu entscheiden, welches Vorgehen, welche Mischung am besten ist, um eine für den Nutzer schlüssige Struktur zu erstellen. Aus diesem Grund ist es ratsam, dass mindestens ein Projektbeteiligter bereits Erfahrungen mit der Methode gesammelt hat, um unter Berücksichtigung von Zeit und Kosten das passende Vorgehen zu wählen, die Ergebnisse entsprechend zu interpretieren und umzusetzen.

Vorstellung zweiter Tools für offene/geschlossene Online Card Sortings


   

Die beiden Tools OptimalSort und WebSort sind sich relativ ähnlich. Mit beiden können recht schnell offene oder geschlossene Card Sortings aufgesetzt und durchgeführt werden.

Ablauf beim Aufsetzen

Das Aufsetzen einer Card Sorting Studie läuft bei beiden Tools grundlegend ähnlich ab:

  • Festlegen allgemeiner Kriterien (Studienname, Sprache usw.).
  • Eingabe der zu sortierenden Kärtchen.
  • Ggf. Eingabe von vorgegebenen Kategorien bei geschlossener Studie.
  • Anlegen von Intro-, Beschreibungs- und Danksagungstexten.
  • Ggf. Anlegen von vor- oder nachgelagerten Fragen.
  • Integration eines Screener bzw. Anlegen einer Weiterleitung nach Beendigung.
  • Einladen von Teilnehmern.




Screenshots aus dem Backend von OptimalSort

Verknüpfung mit externen Umfrage-Tools

Sehr interessant ist speziell der letzte Punkt:
„Integration eines Screener bzw. Anlegen einer Weiterleitung nach Beendigung.“

Beide Tools können mit Screening-/Umfrage-Tools anderer Anbieter verknüpft werden, wodurch eine Identifikation und Zuordnung der Teilnehmer möglich ist.

Teilnehmer können beispielsweise über eine Onsite-Befragung direkt auf der eigenen Website oder über ein Online-Access-Panel zur Untersuchung eingeladen werden. In einer eigenen vorgelagerten Befragung kann die Website näher analysiert bzw. können allgemeine Anforderungsfragen gestellt werden. Sobald die Teilnehmer alle Fragen beantwortet haben, können diese auf die Card Sorting Studie weitergeleitet werden. Hierzu müssen in der aufrufenden URL lediglich die passenden Parameter – z. B. eine UserID – an das Card Sorting Tool übergeben werden. Der Parameter kann nach Beendigung des Card Sorting wieder zurück an das Befragungs-Tool übermittelt werden. Auf diese Weise wird erfasst, ob der Teilnehmer das Card Sorting beendet hat.

Zudem kann in der späteren Auswertung eine Zuordnung der Daten aus dem Befragungs-Tool zu denen aus dem Card Sorting Tool erfolgen.

Beispielhafter 3-teiliger Studienaufbau:

  • Teil 1:
    Umfrage in eigenem Befragungs-Tool zur Analyse der Website und Abfrage soziodemografischer Daten.
  • Teil 2:
    Durchführung des Card Sortings.
  • Teil 3:
    Erneuter Aufruf der eigenen Umfrage mit ggf. einer abschließenden offenen Frage (Was wollten Sie uns schon immer einmal mitteilen?) und der Möglichkeit am Gewinnspiel (Incentivierung) teilzunehmen.

Nach Teil 1 (Befragung) ist es zudem möglich nur bestimmte Teilnehmer/-gruppen – aufgrund Ihrer bisherigen Angaben – zum Teil 2 (Card Sorting) weiterzuleiten, falls nur eine bestimmte Nutzergruppe für das Card Sorting von Interesse ist.

Erste Auswertungsmöglichkeiten direkt im Tool

Beide Tools bieten diverse Auswertungsmöglichkeiten direkt im Backend an. Diese können auch bereits während der laufenden Studie eingesehen werden. Hierzu gehören:

  • Allgemeine Informationen zu den Teilnehmern.
  • Antworten auf ggf. im Tool gestellte Fragen.
  • Angaben zu den einzelnen Kärtchen und (gebildeten) Kategorien.
  • Statistische Auswertungen bzgl. Zuordnungshäufigkeiten, Beziehungen zw. Kärtchen usw.
Für weiterführende/eigene Auswertungen können die Daten auch heruntergeladen werden.

Weitere Einblicke in die Tools

Beide Tools stellen jeweils eine kleine Demo-Studie bereit, in der ein offenes Card Sorting durchgeführt und im Backend die Auswertung betrachtet werden kann.

Die Tools sind auf jeden Fall einen Blick wert und können bei der Suche nach der optimalen Informationsarchitektur unheimlich weiterhelfen.

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Schreiben Sie uns!

  • Thorsten Wilhelm
  • +49 551 5177-426

Sie wollen den Forschungsbeitrag zitieren? Gerne können Sie folgende Quellenangabe nutzen:

Heim, Steffen (2013): Card Sorting: Mit dem richtigen Vorgehen eine für den Nutzer verständlichen Informationsstruktur entwickeln, In: Forschungsbeiträge der eResult GmbH, URL: http://www.eresult.de/studien_artikel/forschungsbeitraege/Card_Sorting.html

Dieser Beitrag wurde maßgeblich von Steffen Heim, einem ehemaligen Mitarbeiter, verfasst, in Absprache mit Thorsten Wilhelm.


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