Bleibt wo es ist – Vodafone.de setzt auf mitscrollende
Zielgruppeneinstiege und Social Media Elemente
Wie viele andere Websites bedient sich vodafone.de einer horizontale Hauptnaviagtion und einer großen animierte Bühne. Viel Bewegung ist auf der Startseite, wobei auf schnell erreichbare Service- und Login-Funktionen geachtet wird. Besonders interessant ist auch die mitscrollende Navigationsleiste am unteren Seitenrand. Doch wieviel Information kann der Nutzer eigentlich aufnehmen und führt eine zweite Navigationsleiste im unteren Bereich zu Verwirrung? Diesen Fragen ist Elske Ludewig, User Experience Consultant bei eResult, im Rahmen des monatlichen Eyetracking-Bus nachgegangen.
Gewohnter Aufbau – schnelle Orientierung
Auf der Startseite von vodafone.de sind wichtige Elemente zunächst gut platziert. Suche, Login und Kontakt dürften schnell aufgefunden werden – die meisten Nutzer erwarten diese Elemente im oberen Seitenbereich, tendenziell rechts. Dies ist aus langjährigen Studien der eResult GmbH zu erwartungskonformer Homepagegestaltung bekannt. Auch horizontale Hauptnavigationen sind längst Standard. Durch den kräftigen roten Hintegrund fällt diese auch direkt ins Auge. Darunter sorgt eine große Flash-Bühne für eine abwechslungsreiche Produktpräsentation.

Die Startseite von vodafone verfügt über die typische Anordnung von Navigation und Produktpräsentation [Bild vergrößern]
Mitscrollende Elemente für ständige Verfügbarkeit
Als besonderen Service bietet vodafone.de am unteren Seitenrand eine halbtransparente Leiste, auf der weitere Einstiege und vor allem für den Anbieter wichtige Social Media Elemente platziert sind. Hier finden sich zum Beispiel Zugänge für spezielle Zielgruppen, eine Weiterempfehlungs- und eine Druckfunktion. Bei genauerer Betrachtung könnten Zweifel kommen, in welcher Beziehung die Zielgruppeneinstiege am unteren Seitenrand zu denen im oberen Seitenbereich stehen. Wie stark wird denn so ein mitscrollendes Element wahrgenommen? Kann hier wohlmöglich Verwirrung auftreten?
Dazu wurden Blickdaten im Hinblick auf beide Elemente vergleichend ausgewertet. Diese zeigen, dass die Einstiege im unteren Seitenbereich nur von sehr wenigen Probanden betrachtet wurden (Kontaktwahrscheinlichkeit) und auch wesentlich kürzer (durchschnittliche Kontaktdauer) als die obigen. Die Aussagen im nachgelagerten Interview bestätigten es: Die mitscrollende Navigation im unteren Seitenbereich wird lediglich als Zusatzangebot angesehen, steht jedoch bei der Erkundung der Site oder der Suche nach Produkten/Services nicht im Vordergrund.

Im Vergleich werden die Zielgruppeneinstiege im oberen Seitenbereich viel häufiger wahrgenommen, es entsteht keine Verunsicherung aufgrund weiterer Zugänge am unteren Rand. [Bild vergrößern]
Was jedoch den Eindruck etwas schmälerte, waren inkonsistente Linkziele bzw. Reaktionen: Einmal öffnet sich eine neue Seite im selben Fenster, dann geht ein neues Tab auf und bei einer anderen Funktion legt sich ein Layer über die abgedunkelte Seite. Anhand der Gestaltung der Buttons kann der Nutzer jedoch keine Rückschlüsse auf die Reaktion ziehen. Hier sollte verstärkt darauf geachtet werden, dass gleich gestalteten Buttons auch vergleichbare und damit vorhersehbare Funktionen zugeordnet sind. Denn für den Nutzer heißt gestalterische Nähe gleich funktionale Nähe.
Groß, größer, am größten: Viele Einstiege im Mega-Dropdown
Allseits beliebt sind die ebenfalls bei vodafone.de verwendeten Layer, die die Unterkategorien eines Hauptnavigationspunktes zeigen, wenn man mit der Maus darüberfährt. Hier mit bis zu sechs Spalten von beeindruckender Größe. Leider sind die Nutzer meist wenig angetan: Von der Vielzahl von Informationen werden nur wenige wirklich wahrgenommen. Maximal zwei bis drei Spalten werden zumindest oberflächlich betrachtet, der Rest wird meist ignoriert. Dies zeigt auch die Visualisierung der Aufmerksamkeitsverteilung. Begründet werden kann dies damit, dass es dem Nutzer bei so vielen Einstiegen schwer fällt, die für sich relevanten herauszufiltern. Da jedoch bei dem ersten passenden Schlagwort oft schon geklickt wird, bleibt ein Großteil der Links unbeachtet. Internetnutzer wollen schnell ans Ziel gelangen und eine Navigation sollte dabei optimal unterstützen – mit einer gut zu überblickenden Anzahl von Einstiegen.
Fazit
Mitscrollende Service- oder Navigationsleisten am unteren Seitenrand können angeboten werden, solange sie inhaltlich und gestalterisch nicht zu stark mit anderen Navigationselementen konkurrieren. Für die Einbindung von Social Media Funktionen sind sie gut geeignet. Der Nutzer kann sie bei Bedarf schnell auffinden und die ständige Verfügbarkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit der Nutzung.
Flächenmäßig sehr große Layer sollten vermieden werden. Ein Großteil der Inhalte wird nicht wahrgenommen. Auch wenn Spaltenüberschriften die Übersicht verbessern, werden mehr als drei Spalten meist nicht betrachtet. Die wichtigsten Einstiege sollten ganz nach vorn gestellt werden, damit der Nutzer schnell ans Ziel gelangt. Hier ist die Aufmerksamkeit am größten.
Eyetracking-Bus
Monatlich führt die eResult GmbH einen Eyetracking-Bus mit 20 Nutzern durch. Basis sind die Mitglieder unseres Online-Access-Panels mit derzeit mehr als 60.000 deutschsprachigen Mitgliedern. Hierbei werden Blickverlaufsmessungen auf zahlreichen Sites gebündelt in einer Eyetracking-Studie durchgeführt. Pro Site / Screen berechnen wir 595,- Euro. Darin enthalten sind die Studienkonzeption, Datenerhebung (Blickbewegungsmessung) und Interview zu gezielten Themen und Aspekten der Site, Datenauswertung und Ergebnisaufbereitung. Gemeinsam mit Ihnen stimmen wir die Untersuchungsfragen ab. Die Ergebnisse werden für Sie anschaulich aufbereitet. So erhalten Sie schnell und einfach, verständliche Interpretationen und Antworten auf Ihre Fragestelllung(en).
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Ludewig, Elske (2011): Bleibt wo es ist – Vodafone.de setzt auf mitscrollende Zielgruppeneinstiege und Social Media Elemente, In: Forschungsbeiträge der eResult GmbH, URL: http://www.eresult.de/studien_artikel/forschungsbeitraege/eyetracking-vodafone.html
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