Faustregeln zum Blickverlauf auf Web-Seiten: Erkenntnisse aus der Forschung & Praxis

Seit Gründung der eResult GmbH vor 6 Jahren (Stand: 2006) haben wir auf mehr als 200 Webseiten und bei ca. 3000 Personen Blickverläufe gemessen und analysiert. Diese Datenbasis stellt eine wichtige Grundlage für unsere Forschungs- und Beratungsprojekte dar. Hierauf basieren auch die im Folgenden dargestellten Faustregeln.

Dabei möchten wir jedoch nicht verschweigen, dass die Varianz beim Blickverlauf auf Webseiten noch immer sehr hoch ist. Neue Technologien, innovative Gestaltungselemente und auch Veränderungen bei den personenbezogenen Merkmalen (z. B. Web-Erfahrung) beeinflussen und verändern Blickverläufe.

Es ist daher noch nicht möglich, den Blickverlauf auf einer speziellen Webseite "vorherzusagenquot;. Sechs Jahre Forschung haben bereits viele Erkenntnisse hervorgebracht. Im Vergleich zu mehr als 25 Jahren Forschung zum Blickverlauf auf Print-Anzeigen ist dieses Wissen jedoch noch nicht "gesichertquot;. In den nächsten Jahren kann daher auf Eyetracking-Messungen (noch) nicht verzichtet werden, wenn man erfahren möchte, wie lange, wie häufig und zu welchem Zeitpunkt einzelne Seitenelemente betrachtet werden.

Dennoch: Es gibt bereits einige Erkenntnisse, die für die Gestaltung nutzergerechter Webseiten herangezogen werden können.

Navigationsleisten und Linklisten erhalten viel Aufmerksamkeit - nutzen Sie dies!

Gerade Erstnutzer verschaffen sich über Linklisten und Navigations- leisten einen Überblick zu den gebotenen Inhalten & Services. Daher ist es sehr wichtig die Rubriken bzw. Inhaltsbereiche aussagekräftig, eindeutig und überschneidungsfrei zu bezeichnen.

Animationen sind nicht nötig!

Setzen Sie Bilder, Headlines und/oder farbliche Hervorhebungen ein, um die Blicke von Site-Besuchern zu fangen und zu steuern. Animationen ziehen die Blicke zwar auf sich - keine Frage -, es gelingt animierten Elementen jedoch häufig nicht die Aufmerksamkeit zu halten.

Banner-Blindness Effekt beachten!

Es gibt immer wieder neue Services, Funktionen und Inhaltsbereiche, die man auf der Startseite "bewerben" möchte. Ziel: Die Nutzer sollen motiviert werden, diese Site-Bereiche zu besuchen.
Häufig werden dazu bilddominante und animierte Teaser gestaltet, positioniert am oberen oder rechten Seitenrand. Das funktioniert nicht immer. Nutzer blenden derart gestaltete und positionierte Elemente einfach aus - sie erinnern zu sehr an Werbung! Nutzen Sie den linken oder mittleren Seitenbereich. Sie erzielen damit einen Überraschungseffekt (Oder fällt Ihnen spontan eine Webseite ein, die Werbung am linken Seitenrand positioniert?) und erhalten so Aufmerksamkeit für die neuen Inhalte.

Erwartungen steuern den Blickverlauf!

Dies zeigt sich vor allem bei Messungen mit Erstnutzern, also Personen, die die betreffende Webseite zum ersten Mal aufrufen. Stellt man dabei z. B. eine konkrete Such-Aufgabe, dann wandert der Blick in den ersten Sekunden an den oberen rechten Seitenrand. Viele Nutzer erwarten an dieser Stelle das Eingabefeld einer internen Suche. Interessant ist nun, wie Nutzer reagieren, wenn sich das Sucheingabefeld nicht an der erwarteten Stelle befindet. Der danach angeregte Suchprozess trägt häufig dazu bei, dass sich die Aufmerksamkeit gleichmäßig auf alle Seitenelemente verteilt - was durchaus Vorteile haben kann!

Toter rechter Seitenrand!

Vielleicht liegt es an der gängigen Praxis unwichtige Elemente einer Webseite am rechten Seitenrand zu positionieren. Oder aber auch daran, dass immer mehr Skyscraper geschaltet werden. Jedenfalls gilt: Der rechte Seitenrand erhält relativ wenig Aufmerksamkeit - unabhängig von personenbezogenen und situativen Merkmalen. Was tun?
Wir empfehlen unseren Kunden immer öfter, wichtige, auf der betreffenden Seite erwartete Elemente, am rechten Seitenrand zu positionieren. Z. B. auf einem Reise-/Hotel-Portale die Schnellsuche nicht in der Seitenmitte, sondern stattdessen am rechten Seitenrand bereitzustellen.
Die aufmerksamkeitsstarke Seitenmitte kann dann z. B. für Hinweise auf Top-Angebote genutzt werden. Möchte ein Nutzer die Reise-/Hotelsuche einsetzen, dann wird er sie auch dann finden, wenn diese am rechten Seitenrand positioniert ist. Er geht einfach davon aus, das ihm ein Reiseportal ein solches Element zur Verfügung stellt!

Blickverlauf auf Trefferseiten!

Tunnelblick - dies umschreibt recht gut, wie sich Nutzer auf Trefferseiten (z. B. einer Produktsuche) orientieren. Die ersten und letzten Treffer - bezogen auf eine Trefferseite - erhalten die meiste Aufmerksamkeit. Elemente an den Seitenränden - vor allem dem rechten Rand - gehen jedoch "unter". Es ist daher sehr wichtig, funktionale Suchelemente, wie z. B. Filter, aufmerksamkeitsstark zu gestalten und/oder dort zu positionieren, wo die Blicke zuerst hinwandern (z. B. oberhalb des ersten Treffers).

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