Fehlentscheidungen aus Blickdaten ableiten – wir können Sie davor bewahren!



Heatmap einer Startseite - Betrachtungsdauer
von im Mittel 25 Sekunden. [Bild vergrößern]

Wir allen kennen diese schönen, bunten Wärmebilder (Heatmaps). Sie zeigen uns z. B. Klick- oder Blickhäufigkeiten auf Webseiten an. Wir erkennen damit Bereiche höchster Aufmerksamkeit und zugleich solche, die kaum Beachtung finden. Aus Heatmaps lassen sich Entscheidungen ganz schnell ableiten – Fluch und Segen zugleich!

Schauen wir uns dazu das Bild mit der Blick-Heatmap einmal genauer an:

  • Die Navigation am linken Seitenrand und die rechte (Marginal-) Spalte werden intensiv betrachtet – gut so.
  • Die Navigation am oberen Seitenrand geht komplett unter. Nur wenige schauen dort hin.
  • Obwohl im mittleren Seitenbereich Bilder und relativ viel Text dargestellt sind, liegt auf diesem Bereich keine Aufmerksamkeitsspitze.

Mögliche Schlussfolgerungen aus den Daten:

  • Die Navigation am oberen Seitenrand wird aufmerksamkeitsstärker gestaltet, in dem z.B. der Kontrast zum Hintergrund erhöht wird.
  • Um die Aufmerksamkeit des Betrachters stärker in den mittleren Seitenbereich zu lenken, werden reizstärkere Bilder eingesetzt und die Größe der Bilder wird ausgeweitet.

Alles gut?

Nicht unbedingt – das sehen wir aber erst, wenn wir uns unterschiedliche Zeitintervalle anschauen.

Also: Nicht nur eine Heatmap für die gesamte Betrachtungsdauer, sondern stattdessen 3 Heatmaps für unterschiedliche, bewusst gewählte Zeitintervalle:

  • 0-5 Sekunden – die so genannte Orientierungsphase („Was bietet mir die Site, wie ist die Seite aufgebaut?“ etc.)
  • 5-15 Sekunden – die so genannte intentionale Phase.
    In dieser Phase sucht der Nutzer nach zielführenden Elementen, d.h. nach Inhalten, Funktionen und Links, die ihn dabei unterstützten seine aktuelle Intention zu realisieren.
  • 15-25 Sekunden – die Phase der Entscheidungsvorbereitung und -findung.
    In dieser letzten Phase vor dem Klick findet ein Abwägen zwischen denkbaren Handlungsoptionen statt. Diese werden vergleichend bewertet – immer vor dem Hintergrund der Intention.

Voilà … und hier nun die Daten für die verschiedenen Zeitintervalle in unserem Beispiel:



Heatmaps in unterschiedlichen Zeitintervallen. [Bild vergrößern]

 

Ich leite daraus ab:Wir haben kein Problem im mittleren Seitenbereich!

Die Bilder und Text werden in der intentionalen Phase intensiv betrachtet. Sie bieten dem Nutzer somit einen Überblick zum Inhalt und unterstützen ihn in seiner Entscheidungsfindung.

Es ist also nicht erforderlich den mittleren Seitenbereich umzugestalten.

Noch mehr Bilder, größere Bilder und reizstärkerer Bilder sind unnötig, im Gegenteil: Sie würden die Aufmerksamkeit ganz sicher weg von der rechten Marginalspalte ziehen.

Puh – Glück gehabt. Unnötige Arbeit und sogar nachteilige Veränderungen an der Seite verhindert!

Fazit: Werten Sie Prozessdaten – wie eben einen Blickverlauf – niemals nur punktuell aus.

Betrachten Sie Prozessdaten im Verlauf, in dem Sie sich z. B. Heatmaps zu unterschiedlichen Zeitintervallen darstellen lassen und diese richtig interpretieren. So bekommen Sie eine Vorstellung vom Prozessverlauf und leiten die richtigen Entscheidungen aus Prozessdaten ab (bzw. vermeiden Fehlentscheidungen).

 

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