Produktvideos sinnvoll einsetzen

Was sollte vor dem Einsatz von Produktvideos beachtet werden? Welche Inhalte sind wichtig? Welche Form sollte gewählt werden? Welche Länge ist angebracht?

Produktvideos sind ja mittlerweile schon auf vielen Online-Shops zu finden und erfreuen sich auch bei den Kunden wachsender Beliebtheit.

Sicherlich bieten bewegten Bilder einige Vorteile gegenüber einer bloßen Zoom-Funktion oder 360° Ansicht: Die Bewegungen machen zum Beispiel deutlich, wie der Stoff eines Kleidungsstückes fällt oder wie der Artikel bei verändertem Lichteinfall aussieht.

Auch in unseren Usability-Tests im Labor fanden derartige Videos meist großen Anklang. Allerdings bereiteten manchmal die unterschiedlichen Bedienelemente Probleme. Nicht immer sind die Icons gut erkennbar oder verständlich. Auf den folgenden Abbildungen sind beispielsweise die Button zum Starten und Anhalten des Videos sehr leicht auffindbar, jedoch erschließt sich nicht, warum man das Video nicht stoppen bzw. an den Anfang oder an das Ende springen kann. Auch waren sich die Testpersonen anfangs nicht sicher, ob der Ton tatsächlich an ist, da aus dem Lautsprechersymbol „nichts raus kommt“ (laut Aussagen fehlen die "Schallwellen bzw. Striche").

Video anschauen auf der Live-Website

Video anschauen auf der Live-Website
Ein Produktvideo auf Weltbild.de: Eine Stimme aus dem Off erklärt die Funktionsweise der Uhr.


Neben der Bedienung, ist jedoch auch der Inhalt ganz entscheidend, damit das Video tatsächlich eine Kaufhilfe darstellt. Bevor man also „wahllos“, aber mit hohem Aufwand, Videos für seinen Shop produziert, sollte man sich jedoch über einige Punkte klar werden:

1. Welche Form soll gewählt werden?

Hierbei geht es vor allem darum, ob ein Experte das Produkt vorstellen soll der das Produkt lieber in der Benutzung gezeigt werden soll. Auch ist ein Gespräch von zwei oder mehr Personen denkbar (Hersteller, Experte, Kunden, etc.). Aus unseren Studien wissen wir, dass die Nutzer unabhängigen Experten meist mehr Vertrauen schenken als Herstellern oder angehörigen des Online-Shops. In einigen Sortimenten ist es dagegen völlig ausreichend, wenn das Produkt im täglichen Gebrauch gezeigt wird oder ein Model es trägt. So bedarf wohl ein T-Shirt keiner weiteren Erläuterungen durch Experten.

2. Welche Art von Informationen sollen gegeben werden?

Es gibt natürlich verschiedene Varianten/Mittel die Informationen zu transportieren. Ein Produkt kann verbal beschrieben werden (z.B. von einer Stimme aus dem Off) oder auch aus unterschiedlichsten Perspektiven gefilmt werden, wenn man eher visuelle Informationen transportieren möchte. Auch eine ansprechende Musik im Hintergrund kann für eine Produktpräsentation sehr wertvoll sein.

3. In welcher Umgebung soll das Produkt präsentiert werden?

Auch hier zeigt sich unserer Erfahrung nach ein enger Zusammenhang zum jeweiligen Sortiment oder auch dazu, ob eine bestimmte Stimmung erzeugt werden soll oder Emotionen geweckt werden sollen. Der Fantasie sind bei der Wahl der Location sicherlich keine Grenzen gesetzt, der limitierende Faktor wird in den meisten Fällen das Budget sein. Ein gut ausgestattetes Studio, ein Catwalk oder ein Kinderzimmer können hier schon ausreichend sein.

4. Wie lang sollte das Video sein?

Aus unseren Studien wissen wir, dass Produktvideos in der Regel nicht länger als 3 Minuten dauern sollten. Hier gibt es zwar auch geringfügige Unterschiede zwischen den Sortimenten, 5 Minuten sollten jedoch keinesfalls überschritten werden. Videos die länger dauern, werden nicht bis zu Ende angesehen oder bereits am Anfang abgebrochen, wenn die Gesamtzeit angezeigt wird. Das Video kann in diesem Fall für die Kaufentscheidung wenig beitragen und die Herstellung hat sich schlichtweg nicht gelohnt.

Die wichtigste Frage, vor allem bei einem breit gefächerten Sortimentsangebot, wird jedoch am Anfang lauten: Bei welchenProduktgruppen sind Videos besonders wichtig, als wo werden sie am dringendsten benötig? Meist sind die Ressourcen ja begrenzt und man möchte sie sinnvoll einsetzen. Hier ist sicherlich ratsam, die zuvor definierte Zielgruppe direkt zu befragen (bspw. mittels einer Kano-Anforderungsanalyse).

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