Synchroner Remote Test – eine kurze theoretische Einführung

In der letzten Zeit ist die Methode des Remote Usability Tests immer mehr in den Fokus gerückt. Bei dieser Methode nehmen die Testpersonen von ihrem eigenen Rechner zu Hause oder am Arbeitsplatz am Usability Test teil. Die Methode des Remote Usability Tests lässt sich unterteilen in synchrone und asynchrone Remote Tests.

Im diesem Beitrag soll der synchrone Remote Test kurz umrissen und seine Vor- und Nachteile beschrieben werden.

Bei einem synchronen Remote Test nehmen die Testpersonen von ihrem eigenen PC, zu Hause oder am Arbeitsplatz, aus teil. Für die Dauer des Tests sind sie mit dem Testleiter, welcher den Test von seinem Arbeitsplatz aus durchführt, über eine Audio- und im Optimalfall auch über eine Video-Verbindung verbunden. Der Testleiter kann die Testperson wie im klassischen Labortest anhand eines Interviewleitfadens durch den Test führen. Über ein Screensharing-Tool ist es möglich, dass der Testleiter und die Testperson gemeinsam eine Website betrachten können und der Testleiter die Aktionen der Testperson auf derselben verfolgen kann. Solch eine Möglichkeit findet sich z.B. in einem Online-Meeting-Tool, welches gleichzeitig auch die Möglichkeiten zur Kommunikation über Audio- und Videokanäle bereitstellt.

#Interviewerin im Gespräch mit der Testperson per Online-Meeting-Tool.


Die Methode des synchronen Remote Tests bringt einige Vorteile mit sich. Zum Einen befindet sich die Testperson nicht in einer Laborsituation, was dazu beitragen kann, dass sich die Testperson natürlicher verhält, da sie sich nicht so stark beobachtet fühlt. Ebenfalls von Vorteil ist, dass mit dieser Methode auch schwer erreichbare Zielgruppen einfach in den Test mit einbezogen werden, beispielsweise vielbeschäftigte Führungskräfte oder Personen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Ebenso können Zielgruppen einfacher abgebildet werden, da die Rekrutierung der Testpersonen nicht auf einen Ort begrenzt ist und somit mehr potentielle Testpersonen zur Verfügung stehen.

Ein weiterer Vorteil des synchronen Remote Tests ist darüber hinaus, dass die Testpersonen ihren eigenen PC mit ihren persönlichen Einstellungen, wie beispielsweise Bildschirmauflösung und Browsereinstellungen, nutzen. Dies kann dazu führen, dass Probleme aufgedeckt werden, die nur bei bestimmten Einstellungen auftreten und bei einer einheitlichen Einstellung, wie bei einem Labortest, übersehen werden könnten.

Beim synchronen Remote Test ist es dem Testleiter, wie auch beim Labortest, möglich, direkte Nachfragen an die Testperson zu richten, beispielsweise bei Verständnisproblemen oder wenn zu einem Aspekt tiefer gehend gefragt werden soll.

Die Methode birgt auch einige Nachteile. So werden an die Testpersonen hohe Anforderungen bezüglich der technischen Ausstattung gestellt. Die Testpersonen sollten über ein Headset verfügen, um mit dem Testleiter kommunizieren und gleichzeitig mit beiden Händen den PC bedienen zu können, zudem sollte eine WebCam vorhanden sein, um dem Testleiter auch Mimik und Gestik der Testpersonen übertragen zu können. Darüber hinaus ist eine ausreichende Bandbreite der Internetverbindung nötig, um die Datenmengen in angemessener Zeit übertragen zu können. Bei Remote Tests stellen gegebenenfalls auch Firewalls, auf den PCs der Testpersonen, ein Problem dar. Sie blockieren die Datenübertragung und verhindern oder zumindest verzögern somit den Test.

Für die Durchführung von Remote Tests ist es oft nötig, dass die Testpersonen ein Plugin auf ihrem PC installieren. Oft schrecken Nutzer davor zurück ihnen unbekannte Software herunterzuladen und zu installieren, so dass dies ein Hinderungsgrund für die Teilnahme an einem Remote Test sein kann.

Ein weiterer Nachteil des synchronen Remote Tests im Vergleich zum Labortest ist, dass hier keine Blickregistrierung durchgeführt werden kann. Diese bietet jedoch häufig eine Fülle an Daten, die zur Auffindung von Usability-Problemen beitragen kann.

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