Studienreihe: Mobile Usability-Testing bei eResult

Seit nunmehr drei Jahren beschäftigen wir uns bei der eResult GmbH mit dem Thema Mobile Usability-Testing. In dieser Zeit haben wir sowohl umfangreiches methodisches Wissen rund ums Testen mit mobilen Endgeräten als auch Mobile Usability-Wissen aufgebaut. Dieses Wissen entwickeln wir stetig weiter und bringen es in unsere Kundenprojekte ein.

Dazu haben wir eine Studienreihe ins Leben gerufen, die mittels eines qualitativen Forschungsansatzes in Form von Usability-Tests zahlreiche mobile Apps und Websites auf den verschiedenen Endgeräten und Betriebssystemen unter die Lupe genommen hat.

Testen mit dem eigenen Gerät in realistischen Nutzungssituationen

Es wurden Smartphone- und Tablet-PC-Besitzer eingeladen, um verschiedenste Apps und mobile Websites anhand möglichst realistischer Nutzungsszenarien (Use Cases) zu testen. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Teilnehmer die Tests am besten mit ihren eigenen Endgeräten durchführen sollten, da sie mit diesen vertraut sind. Besonders relevant ist dies bei Android-Nutzern, da die Geräte recht unterschiedlich sind und die wahrgenommene Testsituation nicht unnötig verstärkt werden sollte.

Weiterhin sollte bei solchen Tests der konkrete Nutzungskontext berücksichtigt werden. Wird die App oder mobile Website normalerweise sitzend oder draußen in Bewegung genutzt, wie es häufig bei Augmented Reality-Anwendungen der Fall ist? Entsprechend sollte das Testumfeld angepasst werden.

Einen Schwerpunkt unserer Studienreihe bildete die Thematik Mobile Shopping. Inwiefern eignen sich die Endgeräte tatsächlich für den Einkauf bzw. welche speziellen Usability-Anforderungen ergeben sich, damit Mobile Shopping funktioniert und die Nutzer dazu animiert werden?

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Abbildung 1 - Verschiedene Shopping-Apps
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Die konkreten Fragestellungen können dabei sehr unterschiedlich sein. So haben wir uns in einem Test beispielsweise mit der Frage beschäftigt, wie können Nutzer zum Stöbern in Shopping-Apps motiviert werden.

Schaut man sich an, wie das iPad am häufigsten genutzt wird – im Wohnzimmer auf dem Sofa sitzend – dann müsste jeder Online-Shop-Anbieter das dringende Bedürfnis verspüren eine Shopping-App zu entwickeln. Gerade der spielerische Nutzungscharakter und die technischen Möglichkeiten der Touchscreen-Geräte begünstigen das Stöbern durch Produktsortimente. Vor diesem Hintergrund haben wir ermittelt: Welche Funktionen am meisten die Lust zu Stöbern erhöhen.

Lernen Sie Ihre Zielgruppe kennen

Ob jemand in der Stadt beim Shopping ganz bestimmte Produkte sucht und dazu gezielt ausgewählte Läden ansteuert oder nur einfach mal Schauen geht, ist vor allem eine Typfrage. Dies lässt sich auf das Nutzungsverhalten von Online-Shops bzw. Shopping-Apps übertragen. Wer nicht stöbern mag, den wird selbst die beste App kaum dazu bewegen können. Umso wichtiger ist es, dass der Anbieter seine Zielgruppe möglichst gut kennt und die Gestaltung der App an der Zielgruppe ausrichtet. Es spielt eine große Rolle, welche Altersgruppen und vornehmlich welches Geschlecht mit einem Shop angesprochen werden sollen. Unser Test hat klar gezeigt, dass Frauen größeres Interesse am Stöbern haben. Aber auch die junge Generation der Männer zeigt daran Gefallen. Die Jüngeren gehen zudem deutlich spielerischer und intuitiver mit dem iPad um, wohingegen sich bei den älteren Probanden starke Parallelen in der Nutzung zum PC zeigen.

Die wichtigste Voraussetzung ist somit die Kenntnis der eigenen Zielgruppe. Eine gute Möglichkeit, nicht an den Bedürfnissen der Zielgruppe vorbei zu entwickeln, bietet die Identifikation von Personas. Damit können die typischen Besucher „visualisiert“ und charakterisiert werden. Es werden die Intentionen identifiziert, mit denen die Nutzer auf die App zugreifen und welche Ziele sie bei der Nutzung verfolgen. Handelt es sich beispielsweise um einen Shop, der modeaffine und markenbewusste Personen anspricht, und hochpreisige Produkte anbietet – wie in der Abbildung 2 – dann muss sich dies auch in den Farben und im Design widerspiegeln.

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Abbildung 2 - Startscreen der App „Shopstyle“ [Bild vergrößern]


Solche und viele weitere Erkenntnisse haben wir in den Usability-Tests gesammelt. Bei der Konzeption der Tests wurden die Testsituationen und auch die eingesetzte Technik variiert und immer weiter optimiert. So saßen beispielsweise bei dem gerade beschriebene Usability-Test die Probanden mit dem iPad auf einem Sofa. Weiterhin wurden für die Tests Apps oder mobile Websites von Shopping-Anwendungen unterschiedlicher Sortimente ausgewählt wie z.B. Bekleidung, Sport, Bücher, Vollsortimentler etc. Ferner wurden Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Tourismusangebote oder auch spezielle Informationsservices etc. betrachtet.

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Abbildung 3 - Mobile Usability-Test mit Dokumentenkamera
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Ausblick

Die Entwicklung des Mobile Usability-Testing ist keineswegs abgeschlossen. Aktuell ist noch der Einsatz einer Dokumentenkamera eine sehr gute Möglichkeit, berührungslos und ohne die Notwendigkeit, dass der Interviewer dem Probanden zu nahe kommen muss, solche Tests durchzuführen. Das Smartphone kann dabei locker in der Hand des Probanden liegen, was die Nutzung erheblich realistischer macht als eine Fixation des Gerätes beispielsweise auf dem Tisch. Es kommt jedoch immer wieder neue Technik auf den Markt, die dabei hilft, den Probanden noch mehr Freiräume zu geben und ihn noch besser in einer möglichst realen Nutzungssituation beobachten zu können und zusätzliche Auswertungen („Klick“wege, Blickverläufe) vorzunehmen. Diese Studienreihe, die wir weiter fortsetzen werden, ermöglicht es uns, unser methodisches Wissen weiterzuentwickeln, um es wiederum in Kundenprojekte einzubringen.

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Zur Methodik

Die Studienreihe besteht aus verschiedenen unabhängig voneinander durchgeführten Usability-Tests. Dazu wurden jeweils Personen aus unterschiedlichen Altersgruppen und beider Geschlechter in unser Uselab eingeladen, um auch eventuelle alters- bzw. geschlechtsspezifischen Unterschiede im Umgang mit den Apps bzw. mobilen Websites beobachten zu können.

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