"25 Jahre UUX" Bitkom Arbeitskreis UUX Sitzung in München

Recap von Johanna Naser zur Sitzung am 28. März 2019

Warum tun wir uns nach 25 Jahren Usability und UX immer noch so schwer mit dem Nutzen und den Nutzern in der Entwicklung? Antworten auf diese Fragen gab es bei der diesjährigen Sitzung des BITKOM-Arbeitskreises UUX.

Prof. Tim Bruysten erörterte die Frage, wie ein besseres Verständnis von Strategie dabei helfen kann, besser mit Menschen zu interagieren. Ein Learning hierbei war, dass oft der Begriff „Strategie“ verwendet wird, obwohl Planung gemeint ist. Strategie greift jedoch viel weiter, ist vielschichtiger und abstrakter als Planung.

Martin Beschnitt griff die zentrale Frage der Sitzung auf und kam zum Schluss, dass viele Unternehmen UX zwar anwenden wollen, jedoch nicht wüssten wie es wirklich geht. UXler müssten sich und ihre Leistung zudem besser und vor allem als (Business-) Strategie verkaufen, um damit vor allem das Management zu überzeugen. Zudem sei derzeit noch ein Mangel an UX-Reifegrad in den Unternehmen vorhanden, den es zu beheben gilt.

Anschließend widmete sich Dr. Patrick Harms von der Uni Göttingen im Anschluss der Frage, ob und wie Usability und Informatik überhaupt zusammen passen. Das Fazit: Oftmals haben Informatiker gute Gründe, eine optimale Lösung aus UX-Sicht nicht zu implementieren. Hier schlägt er vor, Informatiker besser für UX auszubilden. Er zeigt seinen Studenten beispielsweise anhand des eigenen Herds, wie nutzerfreundliche Gestaltung nicht aussieht.

Dr. Ronald Hartwig beschrieb in seinem Vortrag vergangene, aktuelle und mögliche zukünftige Entwicklungen aus der Zusammenarbeit der verschiedenen Stakeholder in agilen Entwicklungsprozessen. Er stellte dabei den Einsatz von Methoden in Frage und auch die Vorgehensweisen innerhalb der Community, die oftmals einem regelrechten Methodenkrieg gleichen. Dabei kam er u.a. auf den Ansatz von Ivar Jacobson zu sprechen („Kill all methods“). Methoden sollten demnach keine starren Vorgaben sein, sondern vielmehr einen Pool aus vielen Praktiken darstellen, die man sich nach Bedarf selbst zusammenstellen kann. Sehr interessant war auch die kurze Beschreibung des Berufsbilds des durch die BITKOM vorgeschlagenen „Digital Designers“ nach dem Vorbild des Bauhaus-Curriculums.

Bernard Rummel wandte sich den UX-Taktiken in Organisationen zu. Anhand einer typischen Stakeholdermap eines Software-Entwicklungsprozesses beschrieb er die sehr spannenden Parallelen zu Prozessen aus der Biologie und der systemischen Theorie. Beispielsweise versucht ein dynamisches System immer ein Gleichgewicht aufrecht zu erhalten (Homöostase).

Tim Pierick zeigte in seinem Beitrag zunächst auf, welche Chancen und Herausforderungen die autonome Mobilität in den kommenden Jahren mit sich bringen wird. So ist die Infrastruktur in vielen Städten noch nicht ausreichend für den Bevölkerungsanstieg im Zuge der Urbanität vorbereitet. Die anschließende Diskussion warf auch die ungelöste Thematik der „Ironies of Automation“ auf, die bei autonomen Fahrzeugen noch sehr viele offene Fragen verursacht.

Insgesamt zeigte sich, dass die UX-Landkarte zwar in weiten Teilen schon bekannt und erforscht ist, jedoch auch noch sehr viele unbekannte Gebiete aufweist. Diese gilt es zu entdecken.

Mein Fazit lässt sich gut anhand einer fiktiven Landkarte beschreiben:

Viele Gebiete darauf sind bereits bekannt und gut erforscht, einige nur in Teilen bekannt und andere wiederum sind weder bekannt noch erforscht. Das Wissen über die bekannten Gebiete wird derzeit noch nicht ausreichend vermittelt, so dass sich viele UX Beauftragte in Unternehmen und viele Stakeholder noch nicht gut darin zurechtfinden. Hier muss weiterhin viel Arbeit in die Wissensvermittlung gesteckt werden. Außerdem gilt es, weniger und nicht bekannte Gebiete zu entdecken und zu erforschen. Es liegt also noch einiges an Pionier- und Überzeugungsarbeit vor dem Arbeitskreis.

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