Usability-Test im Labor
Wann ist diese Methode geeignet?
Der klassische, szenariobasierte Usability-Test im Labor verfolgt einen qualitativen Ansatz und ermittelt die Gesamtheit von Erfahrungen bei der Nutzung einer interaktiven Anwendung durch die gewünschte Zielgruppe. Primäres Ziel ist es, akute Usability-Probleme bei der Nutzung des Interfaces zu ermitteln. Aber auch weiche Faktoren wie Emotionalität, Spaß beim Nutzen der Website, Vertrauen und optische Gestaltung können betrachtet werden. Daneben lässt sich ebenfalls das Informations- und Entscheidungsverhalten der Nutzer unter die Lupe nehmen. Dies alles wird auch unter dem Begriff User Experience verstanden.
Mögliche Fragestellungen:
-
Effektive und effiziente Nutzung / User Experience
- Sind die Rubriken, Buttons und Links erwartungskonform, semantisch korrekt und verständlich bezeichnet?
- Wie werden die unterschiedlichen Navigationselemente verstanden? Sind diese intuitiv bedienbar?
- Rufen die Bezeichnungen der Navigationselemente Erwartungen hervor, die von den hinterlegten Inhalten und Funktionen nicht erfüllt werden?
- Werden gesuchte Informationen schnell gefunden?
- Wirkt die Startseite übersichtlich? Wird auf einem Blick deutlich, welche Inhalte und Services zur Verfügung stehen?
- Sind die Interaktionssequenzen bei zentralen Handlungsprozessen (z. B. Suche, Kontaktaufnahme, Bestellung, Newsletter-Abo, Buchung, Einstellen von Inhalten) "logisch"?
-
Look & Feel: Bewertung des Screen-/ Content-Designs
- Welchen ersten Eindruck hinterlässt die Startseite? Welche Assoziationen, emotionalen Wirkungen treten auf?
- Sind wichtige Informationen an aufmerksamkeitsstarken Stellen platziert?
- Gelingt ein visuelles Guiding (gewünschter Blickverlauf = vorhandener Blickverlauf)?
- Sind die Informationen / Inhalte gut lesbar (Text-Design)?
- Wie werden Strukturierung und Angebote auf der Startseite empfunden?
- Kommt es zu einem "information overload", so dass der Nutzer wenig motiviert ist, sich mit der Website auseinander zu setzen?
-
Joy of Use
- Bietet das Angebot Inhalte und Services, die den Anforderungen und Erwartungen des Nutzers entsprechen?
- Fühlt sich der Nutzer „wohl“, d. h. bereitet ihm die Nutzung des Angebots Freude? Oder verlässt er das Angebot nach Erreichung seines Ziels umgehend?
Und viele andere mehr…
In welcher Projektphase einsetzbar?
- Analyse
Der Test eines „alten“ bzw. bestehenden Angebotes kann vor dem Hintergrund einer kompletten Überarbeitung stattfinden - nur um Wissen für die Konzeption der neuen, geplanten Website zu bekommen. - Konzeption / Entwicklung
Mithilfe eines Usability-Tests im Labor ist es bei der Entwicklung von ersten klickbaren Prototypen frühzeitig möglich tiefgehende Erkenntnisse über Usability-Probleme sowie Anforderungen und Erwartungen der Zielgruppe(n) zu erhalten. Hier steht besonders das Testen der Navigation und Nutzerführung sowie Interaktionsprozessen im Vordergrund. - Umsetzung
Ein Usability-Test im Labor kann als abschließender Meilenstein des Projektes durchgeführt werden. Hierbei erfolgt eine ganzheitliche Erfassung von positiven und negativen Erfahrungen in Bezug auf das Interface- und Interaktionsdesign sowie die Navigation und Informationsarchitektur einer Website. Lassen sich keine groben Nutzungsprobleme mehr ausmachen, so kann die Freigabe zum Launch erteilt werden. Ansonsten sind vorerst die identifizierten Problembereiche anhand der unterbreiteten Handlungsempfehlungen zu beheben. - Betrieb
Ist eine Website bereits online, so kann ein szenariobasierter Usability-Test im Labor als Erfolgskontrolle dienen. Zusätzlich kann er vor einem geplanten Re-Launch einer Website den Status quo ermitteln, um aus Fehlern für die Zukunft zu lernen.
Wie läuft diese Methode ab?
Es werden Testsessions mit einzelnen Testpersonen durchgeführt. D. h. ausgewählte Testpersonen nutzen die Anwendung (Website, Online-Shop etc.) sowohl frei als auch unter Vorgabe konkreter Aufgabenstellungen (wie z. B. Suchaufgabe, Durchführung einer Bestellung, Kontaktaufnahme, Anmeldung zum Newsletter u. a.). Während der Aufgabenlösung werden die Testpersonen von einem erfahrenen Usability-Experten beobachtet.
Es werden spontane Kommentare (z. B. zu Nutzungsproblemen), Bewertungen und Gedankenwiedergaben (sog. Protokolle lauten Denkens) aufgezeichnet. Weiterhin messen wir – falls erwünscht - auf ausgewählten Webpages die Blickverläufe und bereiten diese anschaulich auf (z. B. Sequenz-Analyse).

Testperson im Labor
Durch eine Beobachtung der Mausbewegungen und Klick-Handlungen ermitteln wir – falls erwünscht - Performanzwerte (z. B. benötigte Zeit / Klicks bis zur Aufgabenlösung) und protokollieren die gewählten Such-/ Surfpfade der Testpersonen (sog. Clickstreamanalyse).

Kunden und Usability-Experten bei der Beobachtung einer Testsession
Im Anschluss an die Angebotsnutzung finden stimulusorientierte Einzelinterviews statt. Dabei bewerten die Testpersonen zentrale Webseiten des Angebots im Detail. Zudem geht der Testleiter mit der Testperson die aufgetretenen Probleme durch und reflektiert diese. Die Basis dafür stellt ein Interviewleitfaden dar.
Bei Tests mit mehr als 20 Personen führen wir abschließend eine standardisierte Online-Befragung durch. Die Testpersonen bewerten anhand eines kurzen Fragebogens das Angebot auf folgenden Dimensionen:
- Nutzerfreundlichkeit / Usability / User Experience
- Content
- Visuelle Umsetzung
- Joy of Use
Aufgrund einer Benchmarking-Datenbank mit derzeit 350 Internetangeboten sind wir in der Lage, die erhobenen Werte mit Bewertungen anderer Angebote zu vergleichen (sog. Benchmarking-Analyse).
Exkurs:
Um eine höchst realistische Labor- bzw. Testsituation zu schaffen, bedienen wir uns folgender Maßnahmen:
- Rekrutierung der Testpersonen und Screening
Aus unserem Online-Access-Panel können wir potentielle Testpersonen nach bewährtem Verfahren auswählen. Neben soziodemographischen Merkmalen können wir auch Interessen, Meinungen sowie das Web-Nutzungsverhalten als Selektionskriterien bei der Bildung der Stichprobe heranziehen. Alle potentiellen Testteilnehmer/-innen durchlaufen zunächst ein Screening. Dabei werden projektspezifische, personenbezogene Merkmale ermittelt. Die eResult GmbH legt sehr viel Wert auf eine seriöse Akquise der Test-Teilnehmer. Unser Qualitätsmanagement gewährleistet, dass keine Dauertester die Ergebnisse verfälschen. - Incentivierung
Bei der Wahl eines Incentivierungskonzeptes der Teilnehmer setzen wir auf die Erzeugung eines hohen situativen Involvements. Bei einem Online-Shop wäre dies beispielsweise der Einsatz von „eigenem Geld“. D. h. die Testteilnehmer erhalten für ihre Teilnahmen nicht einfach nur eine Barauszahlung von ca. 65-70 Euro, wie sonst üblich. Sie werden stattdessen mit einem entsprechenden Zuschuss bzw. Gutschein zu einem auf dem Online-Shop angebotenen Produkt „entlohnt“. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die Testteilnehmer/-innen eine Website „unter realistischen Rahmenbedingungen“ nutzen! - Laboreinrichtung
Die eResult GmbH legt sehr viel Wert auf eine angenehme Ausgestaltung der Räumlichkeiten und eine unauffällige, nicht offensive, technische Ausstattung des Usability-Labor. Somit können wir gewährleisten, dass die Testpersonen sich während des Test bzw. der Websitenutzung „wohl“ bzw. „wie zu Hause“ fühlen.

Labor (Standardausstattung)
- Warm-up-Phase
Dies erfolgt zu Beginn des Nutzertests im Lab und dient hierbei vor allem dazu, ein angenehmes und vertrautes Verhältnis zwischen der Testperson und dem Interviewer aufzubauen.
Stärken der Methode:
- Es handelt sich beim Usability-Test im Labor um eine „360 Grad-Datenerhebung“, d.h. es ist eine Beobachtung und Befragung der Testpersonen – inkl. der Möglichkeit, andere Testmethoden bzw. –verfahren zu integrieren, wie z. B. eine Blickverlaufsmessung (Eye-Tracking).
- Es ist möglich, sehr konkrete Aufgabenstellungen bzw. Nutzungsszenarien zu formulieren.
- Aufgrund der direkten Interaktion zwischen der Testperson und dem Testleiter kann individuell auf die Testperson eingegangen werden. So können Missverständnisse sofort geklärt und ggf. bestimmte Fragestellungen ausführlicher thematisiert werden.
- Der Usability-Test im Labor ermittelt nicht nur Usability-Probleme, sondern auch Ansätze zur Optimierung des Website und der Informationsarchitektur.
- Er liefert umfangreiche qualitative Daten, die zeigen, wie echte Benutzer eine Website handhaben.
- Die Videoaufnahmen von Tests bzw. der Testpersonen im Umgang mit der zu untersuchenden Website sind sehr aufschlussreich und überzeugend.
Wie groß sollte die Stichprobe sein?
Die Größe der Stichprobe variiert stark nach dem Umfang des Testobjekts und der Zielsetzung. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ca. 8 bis 10 Testpersonen pro Zielgruppe zu empfehlen sind, wenn vor allem Usability-Fragestellungen im Vordergrund stehen. Ist auch die Beurteilung von Design und Layout bzw. die Aufbereitung, Menge und Art der Informationen sehr wichtig, sollten mindestens 20 Testpersonen teilnehmen.
Anmerkung: Es ist jedoch grundsätzlich zu überlegen, ob man alle Testpersonen denselben Untersuchungsgegenstand testen lässt oder ob man die Website in einer ersten Testphase mit der Hälfte der angedachten Stichprobe testet, die identifizierten Hauptprobleme behebt und in einer zweiten Testphase die bereits optimierte Website durch die restlichen Testpersonen begutachten lässt. Die Überlegung, die hinter diesem qualitativen Testansatz steht ist, dass sich aus unserer Erfahrung spätestens nach der 5-ten Testperson die größten Nutzungsprobleme wiederholen. Warum also weitertesten? Wenn eine Testperson mit einem Element bzw. einer Funktion ein Problem hat, so werden auch weitere Besucher Ihrer Website damit ein Problem haben. Die restlichen Kapazitäten bzw. Testpersonen sollten nicht für die Bestätigung eines bereits bekannten Problems eingesetzt werden, sondern für die Identifizierung weiterer Probleme.
Wie lange dauert die Durchführung?
Je nach Stichprobegröße kann die Studie innerhalb von 3- 4 Wochen (N=10 bis 15) bzw. 4-5 Wochen (N=20) durchgeführt werden.
Welchen Input müssen Sie leisten?
Optimalerweise kommen Sie bereits mit konkreten Fragestellungen auf uns zu, die wir dann im Test abfragen. Gerne können wir solche Fragestellungen aber auch in einem Workshop mit Ihnen gemeinsam erarbeiten.
Wir benötigen mindestens grafisch ausgearbeitete Screens in einem gängigen Grafikformat als Ausgangsbasis. Um jedoch Interaktionsprozesse testen zu können, bedarf es eines funktionsfähigen Prototypen (Klick-Dummy), der bereits über ausreichende Funktionen verfügt, um einen taskbasierten Nutzertest durchzuführen. Bestenfalls ist Ihre Website natürlich bereits online bzw. über das Internet aus erreichbar.
Was erhalten Sie von uns?
Sie erhalten einen interpretativen Chartband mit folgenden Inhalten:
- Management Summary
- Ausführliche Darstellung der Ergebnisse aus den Beobachtungs- und Befragungsdaten
- Interpretation der Daten: Identifikation der Gründe und Ursachen für die erhobenen Daten
- Highlight-Videoszenen (Clickstream, Interviews, exemplarische Blickvideos)
- Konkrete Handlungsempfehlungen zur Behebung aufgedeckter Usability- und Gestaltungsprobleme; verbal beschrieben und visuell-funktional umgesetzt (z. B. in Form von optimierten Wireframes oder klickbaren Prototypen)
Auf Wunsch präsentieren wir die Ergebnisse und Erkenntnisse des Tests im Rahmen eines moderierten Workshops.
Exemplarische Ergebnisbände:
Haben Sie noch weitere Fragen? Dann sprechen Sie uns an! Wir beraten
Sie gern.
- Martin Beschnitt
- +49 (0)551-49569333
Downloads
- Fallstudien (inkl. exemplarischem Ergebnisband)
Fallstudie neckermann.de (733 KB)
Fallstudie kinkaa.de (1,9 MB)
Fallstudie netdoktor.de (5,6 MB) - Methodenbeschreibung
Factsheet Usability-Test im Labor (50 KB)
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