Tagebuchstudie Fitness Tracker: Wo liegen Stärken und Schwächen eines marktführenden Trackers?

Die Bestseller 2014 unter den Wearables waren eindeutig Geräte der Kategorie Fitness Tracker. Zum einen mag dies auf den geringeren Preis gegenüber Smartwatches oder Glasses und der damit verbundenen geringeren Kaufschwelle zurückzuführen sein, zum anderen bedienen diese Geräte den aktuellen Trend der Selbstoptimierung und finden so eine große Käufergruppe. In unserer Studie wollten wir Erfolgsfaktoren für eine gute Bedienbarkeit eines Fitness Trackers herausarbeiten und davon ausgehend, Regeln die allgemein bei Wearables zu beachten sind. Nach einigen Recherchen unter den aktuellen Geräten auf dem Markt entschieden wir uns für den Fitness Tracker Flex der Firma Fitbit. Der Fitbit Flex gehört zu den meistverkauften Trackern, ist mit verschiedenen Betriebssystemen kompatibel und liegt im mittleren Preissegment.

Um einen ersten Eindruck von potentiellen Stärken und Schwächen des Gerätes zu bekommen, die wir in der Hauptstudie vertiefen wollten, wurden in einem Pretest Amazon-Rezensionen analysiert.
Hier zeigten sich als erste Stärke, dass viele Rezensenten die Motivation aktiv zu sein durch den Fitbit Flex gesteigert sahen. Als Schwachstellen konnten Probleme bei der Bedienung des Gerätes an sich und dem Armband festgestellt werden.
Für die Hauptstudie wurden Personen aus der Gruppe der Early Adopter rekrutiert, die über einen Zeitraum von 2 Wochen Tagebuch führten und Fragen beantworteten zu ihren Erfahrungen mit der Nutzung des Fitbit Flex.

„Der Motivationstracker“

Das Motivationspotential des Fitbit Flex bewies auch in unserer Studie seine hohe Wirkung. Fast alle Teilnehmer berichteten von einer positiven Verhaltensänderung, sei es dass sie im Alltag eher die Treppe als den Fahrstuhl benutzen oder sich häufiger zum Sport aufraffen konnten. Auch langfristig, bei einer Befragung zwei Monate nach Studienende, gaben die Hälfte der Teilnehmer an, den Tracker noch aktiv zu benutzen und sich subjektiv fitter zu fühlen als vor der Nutzung. Das Ziel zu motivieren erreicht der Tracker also zumindest bei 50% der Nutzer in unserer Stichprobe.
Für die Motivation dürften mehrere Faktoren, die im Fitbit-Paket enthalten sind, verantwortlich sein. Zum einen werden Gamificationelemente verwendet. So schaltet der Nutzer für bestimmte Leistungen (z.B. die ersten 10.000 Schritte) Achievements frei – kleine Abzeichen, die in seinem Profil aufgenommen werden. Ein weiteres Element der Motivation ist die Möglichkeit sich mit anderen Nutzern zu vernetzen und durch diese motiviert zu werden, sei es durch gemeinsam gesteckte Sportziele oder Wettbewerb.

Pluspunkte in der Usability: Installation & Dashboard

Im Bereich Usability macht Fitbit einiges richtig. Der Nutzer wird bei der Installation und beim Einrichten des eigenen Account durch eine teilweise animierte Step-by-Step-Anleitung sehr gut durch die ersten Schritte geführt. Auch das Dashboard, aus dem der Nutzer die Informationen über bisherige Laufleistung, Erreichen von Tageszielen etc. ablesen kann, ist durch das Kachelsystem übersichtlich, personalisierbar und ansprechend designt.

Minuspunkte bei der Usability: Display & Armand

Erster Kritikpunkt für ein positives Nutzererlebnis war für die Nutzer das umständliche Anlegen des Armbandes, das den eigentlichen Tracker enthält. Auch die Verarbeitung des Bandes wies Schwächen auf, sodass bei zwei Teilnehmern innerhalb des Beobachtungszeitraums von zwei Monaten das Band ersetzt werden musste.
Das Hauptproblem für die Nutzer stellte allerdings das fehlende Display dar. Zwar wurde die tägliche Laufleistung durch 5 leuchtende Punkte am Armband grob gekennzeichnet, doch weitergehende Informationen, wie bspw. verbrauchte Kalorien, zurückgelegte Strecke etc. waren erst nach einer Synchronisation mit dem PC oder Smartphone einsehbar. Gerade beim Sport, wenn andere Geräte nicht mitgenommen werden, sollte der Tracker alle relevanten Informationen verfügbar machen. Auch den Status des Gerätes (z.B. Weckfunktion an oder aus), konnten die Teilnehmern erst mithilfe des Computers ermitteln.

Zu viele Funktionen, zu wenig ausgreift

Im Fitbit Dashboard werden dem Nutzer eine Vielzahl von Funktionen und Datendarstellungen angeboten. Der Anspruch von Fitbit scheint zu sein alle Aspekte rund um das Thema Sport und Gesundheit abzudecken. So gibt es bspw. einen Bereich in dem Nahrungstabellen angelegt und der Kalorienverbrauch und die Kalorienzufuhr berechnet werden können. Bei der Bedienung dieser störten sich einige Teilnehmer daran, dass Gerichte und Maßeinheiten aus Europa fehlten und die Anpassung an den deutschen Markt noch nicht komplett erfolgt ist. Auch bei anderen Funktionen, gab es immer wieder kleinere oder größere Bugs, die bei der Nutzung störten. Das Resümee der Teilnehmer war: viele der Funktionen sind verzichtbar, bei vielen Funktionen sollte nachgebessert werden.

Fehlende Automatisierung

Die Bewegungsdaten bezieht der Fitbit Flex aus der Messung der Armbewegungen. Auch weitere Sportarten, die vom Fitbit Flex nicht automatisch erfasst werden können, da keine Armbewegungen gemessen werden können oder das Gerät nicht getragen werden kann, z.B. beim Radfahren oder Schwimmen, können nachträglich manuell vom Nutzer eingegeben werden und gehen in das Bewegungsprofil mit ein. Problematisch hierbei: viel zusätzliche Eingabearbeit für den Nutzer.

Das Fazit unserer Studie: als Motivator funktioniert der Fitbit Flex, als vollwertiges Sportassistent müsste noch nachgebessert werden, mit verbesserter Informationsaufbereitung, ausgereifteren Funktionen und stärkerer Automatisierung.

Wenn Sie sich für die weiteren Ergebnisdetails der Analyse des Fitbit Flex interessieren und für die daraus abgeleiteten Regeln für Fitness Tracker und Wearables im Allgemeinen, schauen Sie sich gerne den kompletten Ergebnisband an unter: https://www.eresult.de/ux-wissen/downloads/

Sie wollen den Forschungsbeitrag zitieren? Gerne können Sie folgende Quellenangabe nutzen:

Tews, Marie Jana (2015): Tagebuchstudie Fitness Tracker: Wo liegen Stärken und Schwächen eines marktführenden Trackers , In: Forschungsbeiträge der eResult GmbH, URL: www.eresult.de/ux-wissen/forschungsbeitraege/einzelansicht/news/tagebuchstudie-fitness-tracker-wo-liegen-staerken-und-schwaechen-eines-marktfuehrenden-trackers/

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