Nutzertagebuch

Wann ist diese Methode geeignet?

Mit einem Nutzertagebuch, welches auf der in der Psychologie häufig angewandten Tagebuchmethode beruht, kann ein Nutzungsverhalten über einen längeren Zeitraum und in Alltagssituationen erfasst werden.
Deshalb sollte es immer dann zum Einsatz kommen, wenn man grundlegende und umfassende Daten über das Verhalten einer bestimmten Zielgruppe, über den Umgang mit einem bestimmten Produkt oder über das Vorgehen in komplexen Entscheidungs- und Informationsbeschaffungsprozessen benötigt.
Grundsätzlich kann das Nutzertagebuch als qualitative Methode verstanden werden, in Einzelfällen und mit einer entsprechend großen Datenmenge können aber auch quantitative Untersuchungen ergänzt werden.

Mögliche Fragestellungen:

  • Wie wird ein bestimmtes Produkt im Alltag genutzt? Zum Beispiel: Welche Funktionen eines Handys werden wie eingesetzt? Welche werden möglicherweise zweckentfremdet oder haben eine ganz besondere Relevanz im Erleben der Benutzer?
  • Wie spielen verschiedene Informationskanäle wie beispielsweise Websites, Foren, soziale Netzwerke (wie z. B. XING, Facebook), persönliche Gespräche bei einer komplexen Entscheidungsfindung zusammen?
  • Wie „tickt“ eine bestimmte Zielgruppe?
    Beispielsweise kann man herausfinden, welche besonderen Schwierigkeiten Senioren beim Einkaufen über das Internet haben oder wie Kinder verschiedene Medien zur Kommunikation einsetzen.

Und viele andere mehr…

In welcher Projektphase einsetzbar?

  • Analyse
    Mithilfe eines Nutzertagebuchs kann der Umgang mit einem bestehenden Produkt beobachtet und analysiert werden. Zudem können grundlegende Daten zum Verhalten einer Zielgruppe oder von Menschen in bestimmten Situationen erhoben werden. Auf diese Weise lassen sich vielfältige Optimierungsansätze identifizieren, die für die Weiterentwicklung vorhandener Produkte und Kommunikationskonzepte genutzt werden können.
  • Betrieb
    Wurde ein Produkt oder eine Dienstleistung neu entwickelt, so kann mit einer Nutzertagebuchstudie der Erfolg dieser Entwicklung überprüft werden. Dabei werden Nutzer eine Weile mittels eines Tagebuchs begleitet, um deren Vorgehen und Beurteilung mit den ursprünglichen Intentionen der Neuentwicklung abzugleichen. Gleichzeitig können so Optimierungspotentiale aufgedeckt werden, die auf wechselnden Nutzerbedürfnissen beruhen.

Wie läuft diese Methode ab?

Eine Nutzertagebuchstudie läuft nicht nach einem festgelegten Schema ab. Stattdessen verbirgt sich hinter diesem Begriff ein ganzes Set an Techniken und Methoden.

Ausschlaggebend für den Ablauf ist deshalb Ihre Fragestellung. Anhand dieser und unter Beachtung der Merkmale der gewünschten Studienteilnehmer bestimmen wir aufgrund unseres Wissens und unserer Erfahrungen die geeignete Technik und Methode.

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Beispiel für die Kriterien der Technikauswahl
bei der Konzeption einer Nutzertagebuchstudie

Eine Auswahl besteht dabei zwischen Papiertagebüchern, Handys und PDAs und Online-Tagebüchern zur Erfassung und Übermittlung der Daten vom Studienteilnehmer zum Versuchsleiter.
Die Eingaben und Aussagen der Studienteilnehmer können in regelmäßigen Abständen, nach einer vom Versuchsleiter gegebenen Erinnerung oder nach dem Auftreten bestimmter Ereignisse durch die Teilnehmer dokumentiert werden. Auch standardisierte Fragebögen oder offene Fragen können zum Einsatz kommen. Ob eine zusätzliche Aufzeichnung von Fotos oder Videos nötig ist, entscheidet sich erst aufgrund Ihrer Fragestellung. Gern unterstützen wir Sie aufgrund unserer Erfahrung auch beim Festlegen geeigneter Fragen.

Unabhängig von den genannten Variationsmöglichkeiten ist der grundlegende Ablauf von Nutzertagebuchstudien recht ähnlich.

Die Teilnehmer der Studie werden von uns rekrutiert und erhalten eine ausführliche Einweisung in die gewählte Technik und den Ablauf der Studie. Zusätzlich werden alle Teilnehmer aber auch während der Erhebungszeit intensiv betreut.

Nach der Einweisung durch die Studienleiter bekommen alle Teilnehmer ihr „Tagebuch“ ausgehändigt bzw. die Zugangsdaten zum Online-Tagebuch zugesandt, welches sie während einer vorher festgelegten Erhebungszeit selbständig führen. Dabei beantworten sie Fragen, beschreiben ihre Handlungen und Empfindungen und bewerten Ihre Produkte und Servic

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Typischer Ablauf einer Nutzertagebuchstudie

Wenn die Feldzeit abgelaufen ist, liefern die Teilnehmer ihr „Tagebuch“ wieder beim Studienleiter ab. Bei Online- oder mobilen Tagebüchern ist es darüber hinaus möglich, Daten permanent zu übermittel, so dass sie unmittelbar nach der Eingabe vorliegen.

Auch Rückfragen an die Teilnehmer können spätestens am Ende des Projekts gestellt werden, bei Online-Tagebüchern auch jederzeit zwischendurch.

Die Protokolle aller Teilnehmer werden ausgewertet, indem typische Verhaltensweisen identifiziert und beschrieben werden. Verwendete Produkte und Services werden analysiert und Optimierungspotentiale aufgezeigt und anschaulich beschrieben. Auch die Art der Auswertung ist stark von der ursprünglichen Fragestellung abhängig.

Stärken der Methode:

  • Die beschrieben Geschehnisse und Eindrücke können von den Studienteilnehmern unmittelbar nach dem Eintreten dokumentiert werden, ohne dass Erinnerungseffekte die Wahrnehmung verzerren.
  • Beobachtungen können über eine längere Zeitspanne erfolgen und auch im privaten Bereich stattfinden. Beides bleibt dem Beobachter im Usability-Lab verborgen.
  • Mit einem Nutzertagebuch werden nicht nur Antworten auf konkrete Fragen erfasst. Dadurch werden auch Erkenntnisse gewonnen, mit denen vorher Niemand gerechnet hätte und die ein ganz neues Licht auf die Entwicklung eines Produkts werden können.

Wie groß sollte die Stichprobe sein?

Für eine qualitative Nutzertagebuchstudie empfiehlt sich eine Teilnehmeranzahl von 8-10 Personen pro Zielgruppe. Der Auswertungsaufwand bleibt dadurch überschaubar. Gleichzeitig sind so aber auch genügend Daten vorhanden, um verschiedene Typen zu identifizieren und eine solide Datenmenge zu haben, falls ein Teilnehmer mal einen Eintrag vergisst.
Sollen die Daten auch quantitativ ausgewertet werden, sind dagegen mindestens 30-50 Teilnehmer pro Zielgruppe erforderlich.

Wie lange dauert die Durchführung?

Die Projektdauer setzt sich aus der Studienkonzeption (ca.3 Tage), der Rekrutierung (je nach Anzahl der Teilnehmer ebenfalls 2-3 Tage), der Erhebungsdauer und der Auswertungszeit zusammen. Die Erhebungsdauer liegt je nach Fragestellung zwischen einer Woche und mehreren Monaten, in den meisten Fällen liegen aber schon nach 2-3 Wochen verwertbare Daten vor. Im Anschluss an die Erhebung ist für die Auswertung nochmals mit ca. einer Woche zu rechnen.

Welchen Input müssen Sie leisten?

Wir benötigen von Ihnen Informationen zum Ziel der Untersuchung und Ihre Fragestellungen, die sie klären möchten. Bei der Entwicklung Ihrer Fragen können wir Sie auf Wunsch gern unterstützen.
Alles Weitere erledigen wir, selbstverständlich in enger Absprache mit Ihnen.

Was erhalten Sie von uns?

Sie erhalten einen Ergebnisband, in dem die Erkenntnisse der Studie anschaulich dargestellt werden. Auch die verwendeten Techniken und Methoden werden dort genau beschrieben.

Im Einzelnen sind typische Handlungsweisen dargestellt und die von den Teilnehmern eingesetzten Produkte und Services werden beschrieben und Optimierungspotentiale aufgezeigt. Vieles ist hier abhängig von der Fragestellung.

In jedem Ergebnisband finden Sie auch konkrete Handlungsempfehlungen, um speziell Ihr Produkt oder Ihren Service nutzergerecht zu entwickeln.

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Typische Ergebnisse einer Nutzertagebuchstudie

Im Anschluss an die Auswertung führen wir gern einen Ergebnisworkshop mit Ihnen durch, in dem gemeinsam Ideen zur Weiterverwendung der Erkenntnisse gesammelt werden.

Haben Sie noch weitere Fragen? Dann sprechen Sie uns an! Wir beraten Sie gern.

Johanna Möller
User Experience Consultant
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