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Pluralistic Walkthrough

Wann ist diese Methode geeignet?

Beim Pluralistic Walkthrough evaluieren erfahrene Usability- und Marketing-Experten gemeinsam mit Entwicklern und Nutzern im Rahmen einer Gruppenexploration/-diskussion eine Website bzw. Applikation. Meist handelt es sich dabei um eine erste Beschreibung der Website bzw. Applikation (z. B. in Form eines Papierprototypen oder einer schriftlichen Spezifikation). Das interdisziplinäre Team versucht anhand vorgegebener Aufgaben die Gedanken der Nutzer beim normalen Gebrauch des Testobjektes zu analysieren.

Diese Methode eignet sich am besten in frühen Phasen des Entwicklungsprozesses und dient der Verbesserung des benutzerorientierten Designs. Sie kann aber auch als Evaluationsmethode zur Ermittlung von Optimierungspotentialen im Rahmen eines geplanten Re-Designs eingesetzt werden (Status quo-Ermittlung).

Der Vorteil liegt darin, dass viele qualifizierte Erkenntnisse gewonnen werden können, da alle wichtigen Parteien bei dieser Methode aktiv einbezogen werden.

Mögliche Fragestellungen:

  • Kann die (geplante) Applikation bzw. Website effizient, effektiv und zufriedenstellend von den Nutzern bedient werden?
  • Wo liegen aus Usability-Sicht Probleme sowie Stärken, die sich sowohl auf Ihre Besucher als auch auf die Zielsetzung Ihrer (geplanten) Applikation bzw. Website auswirken?
  • Sind die vorhandenen Interaktionsprozesse nachvollziehbar und deren Elemente intuitiv bedienbar?
  • Wie lassen sich die Anforderungen und Erwartungen der Nutzer mit den Zielen der Entwickler und Betreiber in Einklang bringen?
  • Welche bestehenden Lösungen und Interaktionsprinzipien können zur Optimierung heran gezogen werden?
  • Mit welcher Dringlichkeit / mit welchem Aufwand können bzw. sollten die gefundenen Usability-Schwächen und -Probleme behoben werden?

Und viele andere mehr…

Im Rahmen eines Kick-Offs legen wir gemeinsam mit Ihnen die zentralen Fragestellungen und Untersuchungsziele fest. Darauf aufbauend entwickeln und konzipieren wir das für Sie geeignete Untersuchungskonzept.

In welcher Projektphase einsetzbar?

  • Konzeption / Entwicklung
    Besonders in der Entwicklungs- bzw. Konzeptionsphase lassen sich Usability-Probleme durch Bewertung und Zusammenarbeit von Usability-Experten, Nutzern und Entwicklern frühzeitig identifizieren. Hierzu sind lediglich erste Scribbles (handgefertigte Skizzen) bzw. Wireframes (schematische Darstellungen) einer Website/Applikation nötig.
  • Umsetzung
    Die Methode eignet sich auch am Ende eines Entwicklungsprozesses, wenn schnelle Ergebnisse benötigt werden, um vor dem (Re-)Launch noch Detailprobleme beheben zu können (Freigabetest).
  • Betrieb
    Im Betrieb der Applikation bzw. Website bietet sich ebenfalls die Methode des Pluralistic Walkthrough an – im Sinne einer Qualitätskontrolle (d.h., wurde alles so umgesetzt, wie es geplant war?). Zudem besteht die Möglichkeit der Identifizierung von Schwachstellen bzw. Problembereichen als Anstoß für einen geplanten Re-Design-Prozess bzw. als Vorlauf für einen umfangreichen Usability-Test im Labor.

Wie läuft diese Methode ab?

Bei der Methode des Pluralistic Walkthroughs sitzen die Nutzer gemeinsam mit den Entwicklern und Usability-Experten in einem Raum. Einer der Usability-Experten übernimmt dabei die Aufgabe des Moderators.

Vor Beginn des Walkthroughs werden die Testobjekte vorbereitet. Handelt es sich beispielsweise um erste Scribbles oder schematische Wireframes einer Website/Applikation, so werden dafür in sequenzieller Reihenfolge Screens ausgedruckt und auf Panels aufgezogen, die die fertigen nacheinander sichtbaren Screens der geplanten Website/Applikation darstellen. Es wird hier mit Panels („Offline-Screens“) gearbeitet, da in frühen Entwicklungsstadien, für die der Pluralistic Walkthrough meistens gedacht ist, sehr selten bereits Online-Anwendungen/Prototypen existieren.

Das „Durchgehen“ von fertigen bzw. finalen Screens, die bereits „online“ sind, ist mit der nachfolgend beschriebenen Vorgehensweise ebenfalls möglich.

Nachdem alle Beteiligten eine Einweisung, ein Szenariopackage (Panels) und die Aufgabenstellung erhalten haben, geben die Entwickler einen kurzen Überblick über die (geplante) Website / Applikation und stellen das Grobkonzept sowie dessen wichtigste Features vor. Der gegebene Überblick soll ungefähr dem Stand der Vorkenntnis entsprechen, den die Nutzer bei erstmaliger Nutzung des fertigen Produktes haben (z.B. durch ein Handbuch, eine Pressevorstellung o.ä.).

Danach werden die Nutzer aufgefordert, zu jedem Panel aufzuschreiben, welche Aktion(en) sie ausführen würden, um das in der Aufgabenstellung genannte Ziel zu erreichen. Treten hierbei Fragen auf, bei denen die Nutzer in der finalen Applikation bzw. auf der Website die Hilfe-Funktion aufrufen würden, können sie direkt die Entwickler fragen. Die Entwickler beantworten die Fragen der Nutzer in dem Umfang, wie es auch die Hilfe-Funktion beim fertigen Produkt tun würde.

Der Moderator wartet, bis der letzte Nutzer seine Lösung aufgeschrieben hat und stellt dann die "richtige" bzw. mehrere mögliche Lösungen vor. Anschließend können die Nutzer eventuelle Problembereiche vorstellen und darüber diskutieren. Der Usability-Experte leitet die Diskussion. Erst am Ende der Diskussion werden die Entwickler aufgefordert in die Diskussion einzusteigen. Auch hier moderiert der Usability-Experte. Neigt sich die Diskussion dem Ende. beginnt die zweite Aufgabenstellung.

Abgrenzung zur expertenbasierten Evaluation und zum Usability-Test im Labor

Im Unterschied zur expertenbasierten Evaluation und zum Usability-Test im Labor befinden sich Entwickler, Nutzer und Usability-Experten in einem konstruktiven Dialog (Gruppenexploration). Die beteiligten Entwickler erleben unmittelbar, wie tatsächliche Nutzer mit dem Testobjekt umgehen.

Bei einer expertenbasierten Evaluation erfolgt die Analyse/Bewertung einer Website/Applikation ausschließlich auf Basis von Heuristiken und des Wissen der daran beteiligten Usability-und Marketing-Experten. Dabei versetzten sich die Experten in die Lage der tatsächlichen Nutzer. Der Fokus bzw. das Ziel der Methode ist die Optimierung der Navigation & Nutzerführung und des Interface-Designs. Hierbei werden hauptsächlich „Standard-Usability-Probleme“ aufgezeigt.

Der Usability-Test im Labor dient der ganzheitlichen Bewertung einer Website/Applikation inkl. Betrachtung „weicher Faktoren“, wie beispielsweise den Spaß bei der Nutzung (Joy of Use). Der Usability-Test im Labor eignet sich am besten, um sehr nutzerspezifische Detailprobleme aufzudecken. Zudem ist es bei den nutzerbasierten Einzelexplorationen möglich verschiedene Erhebungsverfahren miteinander zu kombinieren (z. B. Eyetracking, fokussierte Interviews, Methode des Lauten Denkens, etc.). Dies erfordert jedoch meist ein Testobjekt in einem höheren Entwicklungsstadium (z. B. klickbarer Prototyp).

Der Pluralistic Walktrough stellt folglich eine Art „Hybridlösung“ aus beiden skizzierten Alternativmethoden dar.

Stärken der Methode:

  • Durch die Einbeziehung der Nutzer erhalten die Entwickler eine bessere Einsicht in die tatsächliche Nutzung ihrer Ideen bzw. Konzepte.
  • Die Kombination von Experten und Nutzern ermöglicht eine Evaluation in einer sehr frühen Entwicklungsphase, da die während der Analyse auftretenden Fragen direkt durch das interdisziplinäre Team geklärt werden können.
  • Aufgrund der Tatsache, dass alle wichtigen Parteien involviert sind, lassen sich viele, sehr qualifizierte Erkenntnisse gewinnen.
  • Es lassen sich direkte Handlungsempfehlungen vor Ort und im Konsens ableiten bzw. beschließen.
  • Die Lieferung der Ergebnisse und direkter Handlungsempfehlungen erfolgt zeitnah.
  • Für diese kooperative Analyse- bzw. Evaluationsmethode wird kein interaktiver Prototyp vorausgesetzt.

Wie groß sollte die Stichprobe sein?

Die Größe der Stichprobe variiert nach Umfang des Testobjekts. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass 1 – 2 Usability-Experten, 1 – 2 Entwickler und 2 – 4 Nutzer zu empfehlen sind.

Wie lange dauert die Durchführung?

Der Aufwand für einen Pluralistic Walkthrough richtet sich ausschließlich nach dem Umfang der zu begutachtenden Applikation bzw. Website. In der Regel liegen die Ergebnisse eines Pluralistic Walkthroughs nach ca. 2,5 Wochen vor (inkl. Vorbereitungszeit).

Welchen Input müssen Sie leisten?

Optimalerweise kommen Sie bereits mit konkreten Fragestellungen zur (geplanten) Applikation bzw. Website auf uns zu, die dann während des Walkthroughs thematisiert bzw. gezielt unter die Lupe genommen werden. Gerne können wir solche Fragestellungen aber auch in einem Workshop (vor Ort oder am Telefon) mit Ihnen gemeinsam erarbeiten.

Je nachdem, in welcher Phase Sie Ihre Entwürfe, Anwendung bzw. Website überprüft und optimiert haben möchten, benötigen wir von Ihnen entweder die URL bzw. einen Online-Zugang zu Ihrer Website/Ihrem Prototypen oder aber die ersten Screens bzw. Wireframes in Form gängiger Dateiformate (JPEG, TIFF, PDF, PPT, HMTL ,..).

Was erhalten Sie von uns?

Sie erhalten einen interpretativen Ergebnisband mit folgendem Inhalt:

  • Management Summary
  • Ausführliche Darstellung der Ergebnisse aus den Beobachtungs- und Befragungsdaten
  • Interpretation der Daten: Identifikation der Gründe und Ursachen für die erhobenen Daten
  • Videoaufzeichnungen der gemeinsamen „Walkthroughs“ mit den Nutzern
  • Verbal formulierte Experten-, Entwickler und Nutzerurteile in Bezug auf die identifizierten Problembereiche, die bzgl. der Schwere der Usability-Probleme kategorisiert sind.
  • Konkrete und individuell auf Ihr Angebot zugeschnittene Gestaltungsempfehlungen zur Behebung der aufgedeckten Usability- und Gestaltungsprobleme - verbal beschrieben und visuell-funktional umgesetzt (z. B. in Form von optimierten Wireframes oder klickbaren Prototypen).

Auf Wunsch präsentieren wir die Ergebnisse und Erkenntnisse des Tests im Rahmen eines moderierten Workshops, in dem wir auch gerne weitere konzeptionelle Lösungen aufzeigen.


Haben Sie noch weitere Fragen? Dann sprechen Sie uns an! Wir beraten Sie gern.

  • Elske Ludewig
  • +49 551 5177-424